Fossile Energieträger


80 % des weltweiten Energiesystems basieren auf fossilen Quellen wie Erdöl, Erdgas oder Kohle. Was der Menschheit einst die industrielle Revolution und den technischen Forstschritt brachte, führt heute immer häufiger zu Kriegen und Konflikten und belastet unsere Umwelt.

Abhängig von unsicheren Ölimporten Österreich importiert etwa zwei Drittel seines Energiebedarfs – überwiegend in Form von Erdöl, Erdgas und Kohle. Im Jahr 2011 erreichte das Netto-Importvolumen mit 11,5 Milliarden Euro eine neue Rekordmarke. Der Großteil dieses Handelsdefizits 2011 entfiel mit fast 8 Milliarden Euro auf Erdöl und Erdölerzeugnisse.
Fossile Energieträger kommen zu großen Teilen aus politisch instabilen Ländern wie Kasachstan, Libyen oder dem Iran nach Österreich – die kurzfristige Versorgungssicherheit muss hier infrage gestellt werden. Die Preissprünge aufgrund von Unruhen in den arabischen Staaten sprechen für sich.

Militärische Kosten der Ölsicherung Während die Gegner erneuerbarer Energien diese oft als zu teuer kritisieren und ihnen indirekte Kosten zuschlagen, kann bei fossilen Energien von Kostenwahrheit keine Rede sein. Militärische Maßnahmen zur Sicherung der Energieversorgung, insbesondere mit Erdöl, sind mit enormen Kosten verbunden, die nicht in den Energiepreisen abgebildet werden.
Roger Stern von der Princeton University ermittelte etwa für die „Basissicherung“ – primär durch Flugzeugträger – im Persischen Golf im Zeitraum von 1976 bis 2007 durchschnittliche jährliche Kosten von rund 230 Milliarden US-$. Anita Dancs vom Western New England College schätzt die Kosten für die militärische Sicherung der Erdölströme (inklusive Irak) für das Jahr 2010 auf 166 Milliarden US-$.

Die programmierte Ölkrise Es ist seit langem bekannt, dass die Ölreserven der Welt endlich sind. Das heißt, sie stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Umstritten ist nur, wann „Peak Oil“, das ist der Höhepunkt der weltweiten Ölförderung, erreicht wird. Manche Experten meinen, der Gipfel wäre schon überschritten, andere erwarten Peak Oil in naher Zukunft. Verschärfend kommt hinzu, dass nicht nur die Ölreserven schwinden, sondern im gleichen Zeitraum die Nachfrage nach Öl stark gestiegen ist und vor allem in Schwellenländern wie China und Indien weiter steigen wird. Auch die Internationale Energieagentur in Paris erwartet in den nächsten Jahren ernsthafte Engpässe bei der Ölversorgung. „In den kommenden Jahren wird nicht genügend Öl verfügbar sein, um die Nachfrage zu decken. Grund dafür ist, dass ein großer Teil der Ölfelder immer weniger Öl produziert. Selbst bei konstanter Nachfrage bräuchte die Welt bis 2030 „vier neue Saudi-Arabiens“, um die abnehmende Ölproduktion zu kompensieren. Der Rückgang ist dramatisch. Jedes Fass Öl, das in den nächsten Jahren auf den Markt kommt, wird sehr viel schwieriger zu fördern und sehr viel teurer sein. Die Zeiten des billigen Öls sind vorbei. Regierungen und Industrie müssen sich darauf vorbereiten“, warnte Fatih Birol, Chefökonom der Internationalen Energieagentur. Daher wird an alternativen Ölfördermethoden gearbeitet. Bis vor einigen Jahren war es unrentabel, Ölsand-Vorkommen zu erschließen, um daraus Erdöl zu produzieren. Die Gewinnung und Weiterverarbeitung ist kostspielig und es entstehen riesige Kraterlandschaften beim Abbau. Das Verfahren ist zudem sehr energieintensiv, die aus Ölsanden gewonnenen Kohlenwasserstoffe (Rohöl, Bitumen) machen nur etwa ein Fünftel der gesamten Fördermenge aus. Der Rest besteht aus Sand, Ton und verschmutztem Wasser. Eine weitere alternative Fördermethode besteht im Erschließen von tief im Meer befi ndlichen Lagerstätten. Dies ist ebenfalls eine sehr teure Produktionsart. Die Gefahren für die Umwelt wurden uns deutlich vor Augen geführt. Bei der Explosion der Bohrplattform „Deepwater Horizon“ vor der Küste im Golf von Mexiko im Jahr 2010 verseuchten Millionen von Litern Rohöl riesige Flächen auf dem Meer, im Wasser selbst und auf dem Meeresgrund. Die endgültigen Auswirkungen auf Mensch und Natur sind noch nicht absehbar.

Gas – Schlüsselfaktor Russland  Bis zum Jahr 2030 wird ein Rückgang der Gasförderung innerhalb der EU um zwei Drittel erwartet. Auch ein leichter Anstieg der Importe aus Norwegen wird nicht verhindern können, dass ein schnell zunehmender Anteil des benötigten Erdgases nach Europa importiert werden muss. Für die europäische Gasversorgung wird daher Russland künftig eine Schlüsselposition einnehmen. Experten erwarten allerdings, dass die Exporte von Russland nicht mehr gesteigert werden können. Die russischen Erdgasreserven sind zwar sehr groß, jedoch zeigen einige große Gasfelder einen wesentlich schnelleren Förderrückgang, als er mit der Feldgröße kompatibel wäre. Es liegt die Vermutung nahe, dass die Reserven deutlich überschätzt werden. Ein großer Teil der verbleibenden Gasreserven liegt in Feldern, die ihr Fördermaximum bereits überschritten haben. Ein weiterer Anteil liegt in kleinen Gasfeldern abseits der Transportinfrastruktur. Diese Felder werden sicher nicht erschlossen, um die Gasförderrate zu erhöhen, sondern allenfalls zu einem späteren Zeitpunkt, um den dann einsetzenden Förderrückgang bei deutlich höheren Erdgaspreisen abzumildern. Die verbleibenden noch nicht erschlossenen großen Gasfelder liegen alle weiter östlich oder nördlich. Dort sind die Umweltbedingungen schwieriger, die Transportwege in Richtung Europa länger und die sommerliche Arbeitsphase wesentlich kürzer als in südlicheren Regionen. Dies führt notwendigerweise zu langen Erschließungszeiten und hohen Kosten. Zu den bestehenden Exportleitungen nach Europa sind weitere Projekte geplant bzw. in Bau (Yamal Pipeline, Nord Stream, Nabucco, South Stream). Diese Projekte werden die Importkapazität nach Europa nur unzureichend erhöhen.
Vermutlich werden sie alternativ zu bestehenden Leitungsverbindungen Erdgas unter Umgehung von Polen und der Ukraine nach Europa befördern. Es ist wahrscheinlich, dass potenzielle Lieferstaaten wie Turkmenistan oder der Iran das Erdgas lieber höchstbietend nach Asien verkaufen werden. Zudem sind die Transportwege nach China wesentlich kürzer als nach Europa.

LINK Nabucco Pipeline

Unkonventionelles Erdgas Seit einigen Jahren nimmt die Förderung von unkonventionellem Erdgas, insbesondere von Erdgas aus dichtem Schiefergestein – so genanntes „Shale-Gas“ – in den USA zu. Daraus wird mancherorts der Schluss gezogen, dass neue Fördertechnologien die kostengünstige Erschließung dieser Vorkommen ermöglichten und dass dies auch auf Europa übertragbar sei. Es gibt jedoch einige Gründe, die laut Experten gegen diese Sichtweise sprechen. Die Förderung von Gas aus Schiefergestein ist technisch sehr aufwändig und teuer. Der gesamte Prozess ist extrem umweltbelastend. Der Flächenverbrauch ist enorm und es besteht auch eine direkte Grundwassergefährdung. Die Förderrate der einzelnen Bohrungen lässt innerhalb eines Jahres oft bereits um 50 Prozent und mehr nach. Dies führt dazu, dass ältere Bohrungen immer schneller durch neue Bohrungen ersetzt werden müssen. Allein dieser enorme Flächenverbrauch ist in Europa undenkbar. Wie Satellitenaufnahmen zeigen, können 1.000 Quadratkilometer und mehr von einem Netz aus Straßen- und Bohrplätzen überzogen sein. In der Zwischenzeit müssen die Gasfi rmen immer näher an Wohngegenden heranrücken. Dies führt zu Konfl ikten mit der Bevölkerung. In Mitteleuropa sind derartige Verwüstungen der Landschaft undenkbar, solange die bestehenden Umweltgesetze auch nur annähernd eingehalten werden.

LINK Schiefergasveranstaltung

LINK Klimaerwärmung

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