Klimawandel


Immer neue Naturkatastrophen und „Klima-Rekordwerte“ zeigen uns deutlich das Voranschreiten des Klimawandels an. Konsequenzen des Klimawandels sind Wirbelstürme, Dürreperioden, Hitzewellen, Ernteausfälle und der Anstieg des Meeresspiegels. Diese Effekte sind bereits heute spürbar und werden sich zukünftig weiter verstärken. Mit Klimaschutzabkommen von Paris hat die Staatengemeinschaft ein Zeichen gegen den Klimawandel und seine Folgen gesetzt – diesem müssen aber dringend Taten folgen. Unser Handeln entscheidet darüber, ob die Welt auch für unsere Nachkommen bewohnbar sein wird. Nur ein Ausstieg aus der Nutzung fossiler Brennstoffe kann den Globus vor einem Klimakollaps bewahren.

Die mittlere globale Temperatur ist gegenüber dem vorindustriellen Niveau um beinahe 1 Grad Celsius angestiegen. In Österreich beträgt der durch Messungen belegte durchschnittliche Temperaturanstieg bereits 2 Grad Celsius. Seit 1980 nimmt die Ausdehnung des Meereises in jedem Jahrzehnt weiter ab; auch die großen Eisschilde und Gletscher auf den arktischen Landmassen rings um den Nordpol und auf dem antarktischen Festland schmelzen. Seit 2009 hat sich der jährliche Eisverlust in der Westantarktis verdreifacht und in Grönland verdoppelt. Die Geschwindigkeit, in der sich die Eisschmelze vollzieht, überrascht die Wissenschaftler.

Die fossilen Energieträger Erdöl, Erdgas und Kohle sind über Jahrmillionen aus pflanzlichen und tierischen Überresten entstanden. Bei ihrer Verbrennung gelangt das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre, das für die Klimaerwärmung hauptverantwortlich ist. Fast 90 % der globalen CO2-Emissionen des Jahres 2015 stammten aus der Nutzung fossiler Energieträger, für etwa 10 % sind Landnutzungsänderungen verantwortlich.

CO2-Senkenleistung des Wirtschaftswaldes um das 10fache höher als im Urwald

In den vergangenen Jahren hat das Institut für Waldbau der Universität für Bodenkultur in Wien (BOKU) umfangreiche Forschungen mit ober- und unterirdischer Biomasse sowie Humus in Primärwäldern durchgeführt und die dabei ermittelten Zahlen mit denen bewirtschafteter Waldflächen verglichen. Bilanziert man die Effekte von Kohlenstoffspeicherung, Freisetzung und Substitution über den Zeitraum des Primärwald-Lebenszyklus (= zwei Umschlagsphasen in einem vergleichbaren bewirtschafteten Wald), lässt sich daraus folgern, wie wichtig die Nutzung von Holz als erneuerbarer Rohstoff aus nachhaltiger Forstwirtschaft ist: Aufgrund der Tatsache, dass das geschlagene Holz als Ersatz für fossile Energieträger genutzt werden kann, ist der Effekt von bewirtschaftetem Wald als CO2-Senke um ein Vielfaches höher als bei Primärwald (in den Fallstudien etwas das Zehnfache). In der Praxis liegen die Werte jedoch deutlich höher, da die Substitutionseffekte, die aus diesen Materialien resultieren, nicht berücksichtigt wurden.

  • Nachhaltig bewirtschaftete Wälder leisten einen deutlich größeren Beitrag zum Klimaschutz als nicht bewirtschaftete Wälder, da durch die kaskadische Nutzung von Holz Produkte und Brennstoffe ersetzt werden können, die aus fossilen Brennstoffen (Erdgas, Öl, Kohle) hergestellt wurden. 
  • CO2-Emissionen aus Wäldern in die Atmosphäre werden nicht reduziert, wenn die Wälder nicht mehr nachhaltig bewirtschaftet, sondern sich selbst überlassen werden.
  • Die Aufforstung von zerstörten Flächen, die nicht für die Landwirtschaft benötigt werden, und die nachhaltige Bewirtschaftung dieser aufgeforsteten Flächen haben erhebliche positive Effekte für die Reduzierung des CO2-Ausstoßes in die Atmosphäre. Dies liegt daran, dass in der Wachstumsphase des Waldes enorme Kohlenstoffmengen gebunden werden und gleichzeitig große Mengen an fossilen Brennstoffen und Rohstoffen durch Holz und Holzprodukte aus nachhaltig bewirtschafteten Flächen ersetzt werden können. 
  • Die Rodung von Waldflächen ohne Aufforstung hat negative Folgen für das Klima. Die europäischen Waldbestände und -flächen wachsen aufgrund der strengen nationalen Forstgesetze sowie der internationalen Forstzertifizierungssysteme PEFC und FSC, die eine nachhaltige Waldbewirtschaftung sicherstellen.  Die Waldfläche der EU hat in der EU 28 zwischen 1990 und 2015 von 148 Millionen Hektar auf 161 Millionen Hektar zugenommen. Der Holzvorrat in der EU ist in dieser Zeit um 7,3 Milliarden Festmeter (mehr als das Sechsfache des Holzvorrats Österreichs) auf 26,4 Milliarden Festmeter gestiegen. 

 

Substitution und Speicherwirkung von Nutzholz

Kohlendioxid wird in Primär- und in bewirtschafteten Wäldern etwa in gleichem Umfang gespeichert und freigesetzt. Der im Holz gespeicherte Kohlenstoff wird am Ende eines Produktzyklus ebenfalls in die Atmosphäre freigesetzt, aber erst – und dies ist der wichtige Unterschied zur natürlichen Freisetzung von Kohlenstoff in Primärwäldern – nachdem dieser Kohlenstoff als Baustoff oder Heizmaterial gedient hat. So kann Brettschichtholz im Wohnbau beispielsweise als Ersatz für Stahl dienen. Pellets können Heizöl als Wärmequelle ersetzen. Diese Substitution hat zur Folge, dass weniger fossiler Kohlenstoff durch die Nutzung von Erdgas, Öl und Kohle aus der Erdkruste freigesetzt wird. Nur eine Tonne Kohlenstoff, die in Form von Holz aus dem Wald entnommen wird, kann die CO2-Emissionen durch Energierückgewinnung um 2,7 Tonnen reduzieren. Ein weiterer positiver Effekt für die Atmosphäre ist die Speicherung von Kohlenstoff in Holzprodukten. Wie lange dieser Effekt andauert, ist vom Produktlebenszyklus abhängig. Die Lebensdauer von Hygienepapieren beträgt beispielsweise nur wenige Wochen, während Bauholz hunderte von Jahren im Einsatz verbleiben kann. Die bei der Photosynthese gespeicherte „Sonnenergie“ wird wieder verfügbar, wenn Holz verbrannt wird.

Wildnis bietet keinen Ausweg aus dem Klimawandel

Die Umwandlung von nachhaltig bewirtschafteten Wäldern in eine Art Primärwald führt nicht zwangsläufig zum Anstieg des gespeicherten Kohlenstoffs. Der Wald unterliegt einem natürlichen Wandel. Dieser kann radikal und über eine große Fläche erfolgen, wie dies im Nationalpark Bayerischer Wald in den 1990er-Jahren der Fall war. Nachdem der Wald nicht mehr bewirtschaftet wurde, stieg die Borkenkäfer-Population explosionsartig an, was die Zerstörung großer Waldflächen zur Folge hatte. Abgestorbene Bäume verrotten und setzen dabei den gesamten gespeicherten Kohlenstoff in die Atmosphäre frei. Und die Entscheidung, das Holz nicht zu nutzen, hat den gesteigerten Verbrauch von fossilen Brennstoffen zur Folge, der wiederum die Klimaerwärmung verstärkt.

90 % der CO2-Emissionen stammen von fossilen Brennstoffen

Kohle, Erdgas und Öl sind weltweit die wichtigsten Energiequellen. Bei der Verbrennung dieser fossilen Brennstoffe wird jedoch Kohlenstoff freigesetzt, der über Millionen von Jahren in der Erdkruste gebunden war. Und dieser erhöht den Anteil des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre. Im Jahr 2015 wurden fast 90 Prozent der globalen CO2-Emissionen durch die Nutzung fossiler Brennstoffe verursacht. Veränderungen der Landnutzung, z.B. die Rodung von Wäldern und die Umwandlung von Wiesen und Weiden in landwirtschaftliche Nutzflächen, waren für die restlichen Emissionen verantwortlich. Es ist unmöglich, den durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe in die Atmosphäre freigesetzten Kohlenstoff wieder in der Erdkruste zu binden (oder zumindest ist die sogenannte CO2-Abscheidung und –Speicherung (CCS) technisch äußerst schwierig und risikoreich), daher wird dieser Kohlestoff Jahrtausende lang oberirdisch in der Atmosphäre bleiben. Kohlenstoff, der bei der Verbrennung von Biomasse freigesetzt wird, ist dagegen Bestandteil des geschlossenen Kohlenstoffkreislaufs. Die einzige realistische Möglichkeit, Emissionen zu reduzieren, besteht im Ersatz fossiler Brennstoffe durch erneuerbare Energien und einer Senkung des weltweiten Energieverbrauchs. Ein Schutz der Wälder ist nur mit Hilfe strenger nationaler Forstgesetze durchführbar, die eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder sicherstellen.

Der Unterschied zwischen Primärwald und bewirtschaftetem Wald

Die CO2-Entwicklung im Primärwald ist neutral, da der gespeicherte Kohlenstoff wieder in die Atmosphäre abgegeben wird, wenn das Holz zerfällt. Der Lebenszyklus eines Primärwalds lässt sich in drei Phasen untergliedern:

1. Optimalphase – Die Bäume wachsen und ihr Holzvolumen nimmt zu. In dieser  Phase fungiert der Wald als Kohlenstoff-Senke. 

2. Zerfallsphase – Die Bäume erreichen ihr physiologisches Höchstalter. Das Wachstum ist nur noch sehr gering. Die Bäume erreichen den Zeitpunkt ihrer natürlichen Mortalität und beginnen abzusterben. In dieser Phase wird der Wald zu einer Kohlenstoffquelle, da die natürlichen Zersetzungsprozesse CO2 in die Atmosphäre abgeben.

3. Verjüngungsphase – Der Wald beginnt sich zu verjüngen und der Zyklus beginnt von vorne. In dieser Phase ist der Wald CO2-neutral.

Bewirtschaftete Wälder befinden sich permanent im Wachstumsstadium. Bei den üblichen forstwirtschaftlichen Arbeiten – Durchforstung und Verwertung – wird Holz aus den Wäldern entnommen. Diese Bewirtschaftungsarbeiten beschränken das fortgesetzte Wachstum auf weniger Bäume, was wiederum die Stabilität und Qualität der einzelnen Stämme erhöht und dazu beiträgt, dass sie den gewünschten Durchmesser in der Endphase des Wachstums schneller erreichen. Daher fungiert ein bewirtschafteter Wald – außer unmittelbar nach dem Prozess des Aufräumens und einer kurzen Phase nach dem Durchforsten oder der Verwertung – dauerhaft als Kohlenstoff-Senke. Die kurzen Phasen, in denen der Wald Kohlenstoff in die Atmosphäre freisetzt, sind durch verfaulendes Zweigmaterial und Schlagabraum (Zweige, Nadeln/Blätter und Wurzeln) bedingt. Der mit dem Holz aus dem Wald entnommene Kohlenstoff wird nicht direkt in die Atmosphäre freigesetzt. Er wird in Holzprodukten gespeichert und ersetzt fossile Brennstoffe und Materialien, deren Herstellung große Mengen Energie erfordert (Kunststoff, Beton, Stahl).

10 Millionen Tonnen CO2 eingespartDurch den Einsatz erneuerbarer Energien konnte in Österreich im Jahr 2010 der Ausstoß von 30,27 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten vermieden werden. Die tragenden Säulen waren hierbei Strom aus Wasserkraft, gefolgt von Wärme aus Brennholz und anderen biogenen Brennstoffen sowie Biodiesel im Kraftstoffbereich. Durch die Nutzung von erneuerbaren Energien im Sektor Wärme wurden im Jahr 2010 Emissionen in Höhe von 9,61 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten eingespart. Der größte Beitrag von 5,99 Millionen Tonnen oder 62,3 % stammte von biogenen Brennstoffen (Stückgut, Hackschnitzel, Holzpellets, Sägenebenprodukte etc.). Weitere große Anteile entfielen auf die Fernwärme mit 17,9 % und energetisch genutzte Ablaugen mit 12,3 %.

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