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Dr. Heinz Kopetz, Vorsitzender des Österreichischen Biomasse-Verbandes,
hatte in dieser Woche Gelegenheit das Thema Biomasse vor einer Runde
interessierter Nationalratsabgeordneter im Parlament zu präsentieren.
Er nutzte dieses farbenreiche Treffen – es waren Vertreter fast aller
Couleurs zugegen –, um auch im Hohen Haus vom haushohen Potenzial der
Erneuerbaren Energien zu sprechen. "Die zentrale Frage, die sich mir
stellt, ist die Entscheidung, in welche Richtung sich unser
Energiesystem entwickeln soll. Setzen wir weiter wie bisher auf fossile
Energieträger? Oder wollen wir an einem kyotokonformen Energiesystem
arbeiten?", so Kopetz in seiner Einleitung. "Das Parlament hat
eigentlich schon die Antwort auf diese Frage gegeben. Im Rahmen der
Ratifizierung des Kyoto-Vertrags ist Österreich rechtlich verpflichtet,
die Energieversorgung kyotokonform weiterzuentwickeln."
Kopetz
schlägt dazu ein Energiewirtschaftliches Rahmengesetz mit dem Ziel vor,
50 % des Energieaufkommens bis 2025 durch erneuerbare Energieträger
abzudecken. Die größten Potenziale liegen hier in der Stromerzeugung,
wo ein erneuerbarer Anteil von 90 % erreicht werden könnte. Im
Wärmesektor sind 60 % möglich, am wenigsten Potenzial sieht der
Biomasseexperte im Bereich Treibstoff, wo aber auch rund 10 %
angestrebt werden sollten. Die Biomasse könnte dazu einen wesentlichen
Beitrag liefern, wichtig sei nur die strategische Überlegung, in
welches Energiesegment wir unsere heimischen Ressourcen in welchem
Ausmaß lenken sollen.
Beispiel Elektrizitätswirtschaft
Das
Beispiel der Stromerzeugung zeigt vor allem, dass wir langfristige und
stabile gesetzliche Rahmenbedingungen brauchen – Stichwort: Verordnung
zum Ökostromgesetz. Die CO2-Emissionen sind in diesem
Bereich von 14,44 Millionen Tonnen im Jahr 1990 auf 16,11 Millionen
Tonnen im Jahr 2003 angewachsen, obwohl der Plan eine Reduktion auf
12,40 Millionen Tonnen bis 2010 vorsieht. "Um eine kyotokonforme
Stromproduktion zu erreichen, müssen wir einerseits unseren
Energieverbrauch drastisch senken und andererseits vor allem die
Windkraft und die Wasserkraft verstärkt ausbauen", fordert Kopetz. Bei
Biomasse könnten zu den bisher geplanten Anlagen (2 bis 3 TWh) noch 1
TWh hinzukommen, mehr ist aber aufgrund der Rohstoffsituation nicht
erstrebenswert. "Der Schwerpunkt sollte hier auf kleinen Anlagen unter
500 kW liegen, die Holzmengen die wir für große Kraftwerke bräuchten,
sind in der Wärmeerzeugung viel sinnvoller investiert", erläutert der
Vorsitzende.
Beispiel Raumwärme
Die
Raumwärmeversorgung birgt das größte Potenzial für den Einsatz von
Biomasse. Und hier ist die Abweichung vom Kyoto-Soll mit 4,80 Millionen
Tonnen auch besonders groß. Ein durchschnittliches Haus, das mit Gas
oder Öl geheizt wird, emittiert circa sechs Tonnen CO2 im
Jahr, es müssten also 600.000 bis 800.000 Wohneinheiten von fossilen
Systemen auf Biomasse umgestellt werden, um unser Ziel zu erreichen.
Der Österreichische Biomasse-Verband arbeitet in diesem Zusammenhang
schon lange an einem entsprechenden Ökowärmegesetz. "Würde man etwa
eine Milliarde Euro statt in ein Infrastrukturprogramm in den Umbau der
Wärmeversorgung stecken, so entstünden drei bis vier mal so viele
Arbeitsplätze", betont Kopetz.
Beispiel Verkehr
Im Jahr 1990 wurden in Österreich 12,32 Millionen Tonnen CO2
im Verkehrsbereich freigesetzt, das Ziel für 2010 liegt mit 16,30
Millionen Tonnen hier schon höher, da realistischerweise von einem
Anstieg des Verkehrsaufkommens ausgegangen wurde. Die Entwicklung hat
allerdings so dynamisch vom Kyoto-Ziel weg stattgefunden, dass wir
mittlerweile bei einem Ausstoß von 23,03 Millionen Tonnen im Jahr 2003
liegen (6,73 über Soll). Hier gibt es bereits eine sehr gute
gesetzliche Regelung mit der verpflichtenden Beimischung von
Biotreibstoffen (5,75 %), wofür etwa 900.000 Tonnen Getreide und
Rapssaat notwendig sein werden. "Vor allem bei Biodiesel werden wir
hier allerdings aufgrund der mangelnden Flächenkapazitäten bald an
unsere Grenzen stoßen", räumt der Fachmann ein.
Chancen durch Biomasse
"Insgesamt
gesehen leistet die Biomasse einen Beitrag von 140 PJ zum gesamten
Energiesystem, den wir innerhalb von zehn Jahren mit den geeigneten
gesetzlichen Rahmenbedingungen auf rund 200 PJ erhöhen könnten",
resümiert Kopetz in seinem Vortrag. Andenken muss man in diesem
Zusammenhang besonders die Neuorientierung der Agrarpolitik Richtung
Energieproduktion. "Die Biomasse bietet ungeheure Chancen, wir
verwenden heimische Rohstoffe, halten damit die Wertschöpfung im Land,
verringern gleichzeitig die Abhängigkeit von Importen und schaffen so
eine Vielzahl an Arbeitsplätzen."
Nur wenn Österreich sein
Energiesystem kyotokonform weiterentwickelt und die erneuerbaren
Energien entsprechend forciert, kann man vermeiden, dass jährlich
zwischen 400 und 800 Millionen Euro für den Zukauf von CO2-Zertifikaten
gebraucht werden. Mit diesem Betrag wäre zu rechnen, wenn der
derzeitige Trend beibehalten wird. Kopetz abschließend: "Wir zahlen
dann ungeheure Summen für heiße Luft, die wir sinnvoller in die
Umstrukturierung unserer Energieversorgung investieren sollten."
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