Eiskalter Jänner treibt fossile Stromproduktion auf Rekordhoch

Gefährdet Elektrifizierung des Wärmemarktes die Energiewende?

Der kalte Jänner hat die fossile Stromerzeugung in Österreich auf einen Rekordwert getrieben. Dies ist der neuen Strombilanz der E-Control zu entnehmen. Aufgrund niedriger Pegelstände und gefrorener Gewässer konnte die Wasserkraft im Jänner nur 30 Prozent des österreichischen Stromverbrauches decken. Daher liefen die Kohle- und Gaskraftwerke auf vollen Touren und trugen damit fast 40 Prozent zur Deckung des Strombedarfs bei. Darüber hinaus musste Österreich 15 Prozent seines Stromaufkommens importieren.

700.000 Tonnen CO2 durch fossile Kraftwerke in einem Monat
Insgesamt bewirkten die niedrigen Jänner-Temperaturen mit 7.019 GWh einen um 20 Prozent gesteigerten Inlandsstromverbrauch gegenüber einem Durchschnittsmonat. Im Vergleich zum Jänner 2016 lag der Stromverbrauch um 7 Prozent höher. Die rund 3.000 GWh Strom aus fossilen Kraftwerken führten im Jänner zu CO2-Emissionen in Höhe von fast 700.000 Tonnen. „Die verstärkte Stromproduktion aus fossilen Kraftwerken im Winter wirkt sich verheerend auf unsere Klimabilanz aus“, kommentiert Josef Plank, Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbandes. „Auch Wärmepumpen und Elektroautos können nur wenig zum Klimaschutz beitragen, wenn sie mit Strom aus Kohlekraftwerken betrieben werden.“ Biomasse liefert als einzige erneuerbare Energiequelle über das ganze Jahr und 24 Stunden am Tag zuverlässig Strom. Durch die gleichzeitige Strom- und Wärmeproduktion der Biogas- und Biomasse-KWK-Anlagen werden in Österreich jährlich etwa 3,5 Millionen Tonnen Treibhausgase eingespart.

Einsatz von Stromheizungen stellt Versorgungssicherheit infrage
Kritisch sieht Plank die zunehmende Bereitstellung von Wärme auf Basis Strom in den Wintermonaten: „Dies stellt ein gravierendes Problem für die Versorgungssicherheit dar. Die Elektrifizierung des Wärmebereichs erschwert und verteuert die Energiewende.“  Die Forscher von E7 haben errechnet, dass die Abdeckung von 25 Prozent des österreichischen Wärmebedarfs durch Luftwärmepumpen eine Spitzenlast erfordert, die etwa 35 Prozent der Stromerzeugungskapazität eines Wintertages entspricht. „Die Stromerzeugung aus Biomasse in KWK-Anlagen sollte forciert werden, weil sie durch Bereitstellung von Fernwärme den Strombedarf im Winter senkt und zudem Strom bei fehlenden erneuerbaren Kapazitäten im Winter liefert“, betont Plank. Bereits heute stammen 20 Prozent der Fernwärme in Österreich aus Biomasse-KWK-Anlagen.

Plank fordert konsequente Haltung gegenüber Kernenergie
55 Prozent des im Jänner 2017 von Österreich importierten Stroms kamen aus Deutschland und 40 Prozent aus Tschechien. Es ist davon auszugehen, dass der Großteil dieses Importstroms aus Atom- und Kohlekraftwerken stammt. „Es ist nicht konsequent, wenn wir unsere Nachbarländer wegen ihren Kernkraftwerken kritisieren, aber andererseits ihren daraus produzierten Strom beziehen“, sagt Plank. „Wir brauchen dringend Rahmenbedingungen, die zu einem deutlichen Ausbau unserer Ökostromproduktion führen.“

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  • Veröffentlicht: 13.03.2017
  • Autor: ÖBMV