Faaij: Welthandel mit Bioenergieträgern wächst rapide

Nordamerika, Europa und Asien als Nettoimporteure

Der weltweite Handel mit Biomasse (Hackschnitzel, Sägespäne, Pflanzenöl und landwirtschaftliche Reststoffe) und insbesondere mit weiter verarbeiteten Bioenergieträgern (Ethanol, Biodiesel und Holzpellets) nimmt rapide zu. Während 2000 praktisch keine flüssigen Biokraftstoffe oder Holzpellets über große Entfernungen verkauft wurden, belief sich der weltweite Handel mit flüssigen Biokraftstoffen (Bioethanol und Biodiesel) 2009 auf 120 – 130 PJ, der für Holzpellets auf 75 PJ. Diese Geschäftstätigkeit wird sich künftig voraussichtlich noch weiter intensivieren, wobei Lateinamerika und Afrika als potentielle Nettoexporteure und Nordamerika, Europa und Asien als Nettoimporteure fungieren werden. Der Welthandel ist daher eine wichtige Komponente für ein nachhaltiges Wachstum auf dem Bioenergie-Sektor.

Die wesentlichen Antriebsfaktoren für den internationalen Bioenergie-Handel sind die großen Ressourcenpotenziale und die relativ geringen Produktionskosten in Erzeugerländern wie Kanada und Brasilien, sowie die hohen Preise für fossile Brennstoffe und die unterschiedlichen politischen Anreize zur Förderung der Biomassenutzung in den Importländern. Dennoch muss die Infrastruktur sowohl in den Export- als auch in den Importländern zunächst weiter ausgebaut werden, um größere Mengen an Biomasse zu erschließen und andere – vor allem kleinere – Endverbraucher zu erreichen. Auch die Importzölle für Ethanol und Biodiesel stellen eine Barriere für den Handel dar. Des Weiteren hat die EU verbindliche Nachhaltigkeitskriterien für flüssige Biokraftstoffe eingeführt, die Ende 2010 in Kraft getreten sind. Es bleibt daher abzuwarten, in wieweit die aktuellen Warenflüsse von Ethanol und Biodiesel in die EU in der Lage sein werden, diese Nachhaltigkeitskriterien zu erfüllen.

Handel mit Holzpellets stark im Kommen

Produktion, Verbrauch und Handel von Holzpellets haben innerhalb der vergangenen zehn Jahre stark zugenommen und sind mittlerweile in Bezug auf das weltweite Handelsvolumen mit Ethanol und Biodiesel vergleichbar. Einer groben Schätzung zufolge wurden 2009 über 13 Millionen Tonnen Holzpellets produziert, die überwiegende Mehrheit davon in 30 europäischen Ländern, den USA und Kanada. Der höchste Verbrauch war in vielen EU-Ländern und den USA zu verzeichnen. Die größten Verbraucher in der EU waren Schweden (1,8 Millionen Tonnen), Dänemark, die Niederlande, Belgien, Deutschland und Italien (alle etwa 1 Million Tonnen). Die wichtigsten Handelsrouten für Holzpellets führen von Kanada und den USA nach Europa (insbesondere nach Schweden, die Niederlande und Belgien) und in die USA. 2009 waren zudem kleinere Handelsströme zu verzeichnen, beispielsweise von Australien, Argentinien und Südafrika in die EU, allerdings blieben die Mengen vernachlässigbar klein. Kanadische Produzenten begannen zudem mit dem Export kleiner Mengen nach Japan. Die Gesamtimporte von Holzpellets in die Europäische Union wurden 2009 auf etwa 3,9 Millionen Tonnen geschätzt, wobei etwa die Hälfte auf den innereuropäischen Handel entfiel.

Biodiesel-Handel stieg von 1 auf 80 PJ in vier Jahren

Die weltweite Produktion von Kraftstoffethanol wuchs von etwa 375 PJ im Jahr 2000 auf über 1.600 PJ in 2009 an. Die beiden führenden Ethanolproduzenten und –verbraucher waren die USA und Brasilien, auf die etwa 85% der Weltproduktion entfielen. In der EU lag der Gesamtverbrauch im Verkehr 2009 bei 3,6 Millionen Tonnen. Die größten Verbraucher waren Frankreich, Deutschland, Schweden und Spanien. Die Daten in Bezug auf den Handel mit Bioethanol-Kraftstoff sind aufgrund der vielen potentiellen Endnutzer von Ethanol sowie aufgrund der fehlenden einheitlichen Codes für Biokraftstoffe in den globalen Handelsstatistiken nicht präzise. 2009 wurde schätzungsweise eine Nettomenge von 40 – 51 PJ Kraftstoff-Ethanol gehandelt. Die wichtigsten Handelsrouten für Ethanol liefen 2009 von Brasilien und der Karibik in die EU.

Die weltweite Biodieselproduktion begann 2000 mit unter 20 PJ und erreichte 2009 bereits 565 PJ. Die EU produzierte etwa zwei Drittel dieser Menge (334 PJ), wobei Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien die Haupterzeuger in der EU sind. Andere Produzenten von Biodiesel sind die USA, Argentinien und Brasilien. Der Biodiesel-Verbrauch in der EU belief sich auf etwa 403 PJ (8,5 Millionen Tonnen), wobei Deutschland und Frankreich zusammen etwa die Hälfte verbraucht haben. Der internationale Biodiesel-Handel lag vor 2005 unter 1 PJ, stieg jedoch von diesem niedrigen Niveau bis 2009 auf über 80 PJ. Die Biodiesel-Importe in die EU stammten im Zeitraum von 2006 bis 2008 hauptsächlich aus den USA, von 2008 – 2009 auch aus Argentinien. Geringere Mengen wurden zudem aus Kanada, Malaysia und Indonesien eingeführt.

André Faaij ist ordentlicher Professor für ‘Energiesystem-Analyse’ am Kopernikus-Institut, Fakultät für Wissenschaften – Universität Utrecht. Er hat Erfahrung in den Bereichen Chemie und Umweltwissenschaften und führt einen Doktortitel (Ph. D) in Energieproduktion aus Biomasse und Abfall. Daneben hat er einen Forschungsaufenthalt am Zentrum für Energie und Umweltstudien – Universität Princeton und King’s College – an der Universität London absolviert.

Seine Forschungsbereiche und Interessen sind: Analyse und Modellierung von Energiesystemen und –szenarien, Bioenergie und andere erneuerbare Energien, alternative Verkehrskraftstoffe, CO2-Abtrennung und Lagerung, Abfallaufbereitung, Material- & Energieeffizienz, technologisches Lernen und Innovation in Energiesystemen, Energie- und Forschungspolitik. Er berät verschiedene Regierungen, internationale Organisationen im Energiesektor, Industrie sowie NGOs´. Er ist als Convening Lead Author für das IPCC, Young Global Leader für das Weltwirtschaftsforum und Task Leader der Task 40 zum nachhaltigen internationalem Bioenergiehandel im Rahmen der Bioenergievereinbarung der Internationalen Energieagentur tätig. Zuvor war er bereits Hauptautor beim World Energy Assessment der Vereinten Nationen, dem Buch des WorldWatch Institute über Biokraftstoffe für das 21. Jahrhundert, beim 4. Weltklimabericht des IPCC und dem Weltenergieausblick der IEA. Faaij hat bereits über 500 Artikel in wissenschaftlichen Fachzeitschriften, Berichte, Bücher und Protokolle veröffentlicht und hält regelmäßig Vorträge auf der ganzen Welt.


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