Preisexplosion wegen fossiler Energie

Rudi Anschober: Ölkesselförderung ist verantwortungslos und unsozial

Die Energiekosten verschlingen einen Löwenanteil des Haushaltsbudgets. Dass die Kosten in den vergangenen Jahren nicht geringer geworden sind und voraussichtlich noch steigen werden, zeigen zahlreiche Kennziffern. Der Energiepreisindex stieg beispielsweise 2010 durchschnittlich um 7,6 % zum Vorjahr, ergaben Berechnungen der Österreichischen Energieagentur. Preistreiber Nummer 1 waren die fossilen Energieträger. Besonders hervorzuheben ist der Heizölpreisanstieg von 22,5 %. Damit gab 2010 der österreichische Haushalt im Durchschnitt 224 Euro pro Monat für Energie aus – ein Rekordwert. Ein positiver Trend hat sich aber nicht verändert: Nach wie vor ist das Heizen mit Holz am günstigsten und die Preisschere zu den fossilen Energieträgern öffnet sich stetig.

Legt man den Heizwert als Bezug fest, so ist Heizöl extraleicht (8,92 Cent/kWh) um 180 % teurer als Hackgut (3,2 Cent/kWh) – Stand 9. Februar 2011. Zum Erdgas ergeben sich Mehrkosten von 144 %. Auch der Vergleich mit Pellets präsentiert einen enormen Preisvorteil: Heizöl um 90 % und Erdgas um 66 % teurer. Das Scheitholz ist mit rund 3,5 Cent/kWh ebenfalls deutlich billiger als die fossilen Energieträger.

Ein praktischer Kostenvergleich: Ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit 120 m2 und einem Baujahr vor 1980 verbraucht im Jahr rund 250 kWh/m2. Die Bewohner würden sich mit den Februar-Preisen 1706 Euro jährlich ersparen, wenn sie auf Hackgut statt Heizöl setzen. Bei einem neueren Haus ab etwa 1998 (100 kWh/m2/J) wären es immer noch rund 700 Euro. In wenigen Jahren hat sich damit die höhere Einmal- Investition von Holzheizkesseln amortisiert, vor allem, wenn die bestehende Heizung ohnehin schon alt und ineffizient ist.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI), ein neutraler Beobachter der Energieszene, stieß in der Jännerausgabe der Zeitschrift „Konsument“ in das gleiche Horn. VKI-Experte Mirko Bernhard meint dazu: „Holz zählt nicht nur zu den billigsten Energieträgern, sondern verursacht auch vergleichsweise wenig CO2-Emissionen. Das zeigt sich vor allem im Vergleich zu Kohleheizungen, die etwa das 26-fache einer Holzheizung ausstoßen.“ Die Emissions-Differenz von Heizöl zugunsten von Holz liegt beim 18-fachen.

Alle Faktoren deuten auf einen weiteren Preisanstieg der fossilen Energieträger hin. Stichwörter sind hierzu der Förderhöhepunkt bei Erdöl, aktuelle politische Krisen im Nahen Osten und vor allem die noch immer steigende Erdöl-Nachfrage. Zusätzlich wird sich das heizintensive Jahr 2010 besonders auf den Rechnungen der rund 900.000 Ölheizungs- und Flüssiggas-Betreiber bemerkbar machen. „Der Heizbedarf, der von den Heizgradtagszahlen abgeleitet wird, war in allen österreichischen Landeshauptstädten inklusive Lienz 2010 um 11 % höher als im Vorjahr“, informiert Mag. Gerhard Hohenwarter, Klimatologe an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). „Gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2009 lag der Heizwert im Vorjahr um 9 % höher.“

Aktuell liegt der Ölpreis bei knapp über 100 US-Dollar pro Barrel. Er hat sich demnach seit 2008 verdreifacht. „Wer jetzt die Menschen in die Neuanschaffung eines Ölkessels lockt, der die Betroffenen für zumindest 20 Jahre an die Verwendung von Heizöl bindet, agiert nicht nur umweltpolitisch verantwortungslos, sondern verstärkt damit auch soziale Probleme“, erklärt Oberösterreichs Energielandesrat Rudi Anschober. Er fordert ein Aus für die aktuelle Heizölkessel-Förderung und stattdessen mehr Mittel für Energieberatung sowie die Subvention von Effizienztechnologien und erneuerbaren Energieträgern. Bis 2016 will ein Verein aus der Ölwirtschaft den Ölkesseltausch von alten auf neue Geräte mit jährlich 2000 Euro fördern.

Dabei geht der Trend beim Neubau in Richtung erneuerbarer Energieträger. Das verdeutlichen beispielsweise die Energieausweis-Statistiken des Landes Salzburg, die bei den geprüften Wohnbau-Förderanträgen erhoben werden: 73 % der Neubauanträge im Vorjahr beinhalteten die Installation einer Biomasse-Kleinfeuerung oder einen Anschluss ans Biomasse-Fernwärmenetz. Heuer sind es bislang 90 %. Bei der Sanierung weist die Statistik 2010 jedoch nur einen Anteil von 17 % aus – Tendenz sinkend.

Rückfragehinweis:
Österreichischer Biomasse-Verband
Franz Josefs-Kai 13, 1010 Wien
Tel: +43 (1) 533 07 97
E-Mail: office@biomasseverband.at
www.biomasseverband.at