Voller Erfolg – 16. Biomasse-Tag

>> Österreichischer Biomasse-Verband fordert die Nutzung neuer Ressourcen

Unter dem Motto „Rohstoff Holz – heiß begehrt“ wurde der 16. Österreichischen Biomasse-Tag zwischen dem 16. und 18. November im Schloss Weinzierl in Wieselburg abgehalten. Zentrale Themen der Veranstaltung waren die Rohstoff-Versorgungssicherheit und die Holzvergasungs-Technologie. Landesrat Stephan Pernkopf eröffnete die Veranstaltung. „Die Preise für Heizöl haben sich in zehn Jahren verdoppelt. Gleichzeitig muss Österreich aufgrund des Kyoto-Protokolls zusätzlich CO2-Zertifikate kaufen. Eine Förderung der Öl-Lobby von bis zu 2.000 Euro für einen Öl-Kesseleinbau macht deshalb absolut keinen Sinn und ist ein Unfug, den ich mit allen Mitteln unterbinden möchte. Die Biomasse ist der absolut richtige Weg, der Kostenfalle Heizöl zu entfliehen und gleichzeitig die CO2-Emissionen zu reduzieren“, erklärte Pernkopf.

Flächenstilllegungen kontraproduktiv. „Der Einsatz von Holz aus unseren Wäldern ist nicht unbegrenzt steigerbar, wodurch wir uns auch nach anderen Rohstoffquellen umsehen müssen“, berichtete Horst Jauschnegg, Vorsitzender des Österreichischen Biomasse-Verbandes. „Das Heranziehen schnell wachsender Holzarten in einem Kurzumtrieb ist eine Möglichkeit, landwirtschaftliche Reststoffe und die Nutzung von Abfällen für die Energieerzeugung eine andere.“ Die Verwendung von neuen Ressourcen bedingt auch, dass die österreichischen Kesselproduzenten Antworten auf die neuen Herausforderungen finden. Ein weiterer Diskussionspunkt sind für Jauschnegg die übertriebenen Naturschutz-Forderungen: „Wir müssen uns überlegen, ob wir es uns künftig leisten können, Flächen einfach stillzulegen. Von der Gesellschaft wird mehr erneuerbare Energie gefordert, jedoch wird diesen Bestrebungen gleichzeitig ‚der Boden unter den Füßen’ weggezogen.“ Für die Haushalte gibt Jauschnegg Entwarnung: „Bis 2020 können rund drei Viertel aller Ölheizungen durch moderne Biomasse-Feuerungen ersetzt werden.“ Auf die Notwendigkeit einer langfristig kontinuierlichen Versorgungssicherheit mit Holz auf hohem Einschlags-Niveau verweist Klaus Krammer, Geschäftsführer von Papierholz Austria. Dazu müssten auch weniger rentable Waldregionen mit hohen Bringungskosten bewirtschaftet werden. Hier sei die Politik mit Fördermaßnahmen gefragt. Auch die hohen Durchforstungsrückstände sollten abgebaut werden. Eine möglichst effiziente Nutzung der Biomasse forderte Georg Erlacher, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Bundesforste. Ferner sei eine Business-Planung mit realistischen Kosten- und Ertragsstrukturen von Nöten. Die Kombination von Energieeffizienz und erneuerbarer Energie ist für Sektionschef Günter Liebel vom Lebensministerium der Schlüssel zum Erfolg. „Wenn wir beispielsweise langfristig den Energiebedarf um 60 % senken, kommen wir mit den in Österreich vorhandenen erneuerbaren Energiequellen vollkommen aus“, schilderte Liebel. Aus diesem Grund unterstützt das Lebensministerium die thermische Sanierung von Gebäuden und „im Zuge dessen auch den Umstieg auf eine Biomasse-Heizanlage“.

Es folgen einige Kurzstatements vom Österreichischen Biomasse-Tag. Alle Vorträge und auch der Tagungsband stehen auf der Homepage des Österreichischen Biomasse-Verbandes zum Download bereit:
http://www.biomasseverband.at/ veranstaltungen/tagungen/16-oesterreichischer-biomassetag/

Energieträger Holz – Status quo & Ausblick. „Die Faktenlage ist eindeutig – Holz ist und bleibt auf allen Ebenen der wichtigste erneuerbare Energieträger“, erklärte Kasimir Nemestothy, Energieexperte von der Landwirtschaftskammer Österreich. Auf globaler Ebene trägt Holz zu 70 % zum Gesamtaufkommen an erneuerbarer Energie bei, in der EU 27 hat Holz im Portfolio der Erneuerbaren einen Anteil von 50 % und auch im Gebirgsland Österreich steht Holz mit einem Anteil von rund    41 % noch deutlich vor der Wasserkraft an der Spitze der erneuerbaren Energie. Während die Ölreserven der EU rasant wegbrechen und die europäische Ölproduktion keine Zukunftsperspektive hat, sind nach der FAO die Holzvorräte der EU von 1990 bis 2010 deutlich angestiegen. Hat die Waldausstattung der EU 27 im Jahr 1990 noch 18,7 Mrd. Festmeter umfasst, waren es 2010 aufgrund der generationsübergreifend nachhaltigen Bewirtschaftung schon fast 24 Mrd. Festmeter. Die Steigerung der europäischen Holzvorräte um 5,3 Mrd. Festmeter innerhalb von 20 Jahren ist höher, als die gesamte verbleibende europäische Ölreserve, die deutlich unter 5 Mrd. Festmeteräqui-valent liegt. Während die europäische Waldwirtschaft nur die Holzzuwächse im Sinne von „Zinserträgen“ nutzt und den Holzvorrat („das Eigenkapital“) bewahrt, vernichtet die Mineralölwirt-schaft innerhalb kürzester Zeit ihre gesamte Reservehaltung ohne Rücksicht auf nachfolgende Generationen.

Holzvergaser-Pilotprojekte im Praxistest. „In Oberösterreich gab es bislang keine praxistauglichen Holzvergaseranlagen im Einsatz. Durch die gemeinsame Initiative von engagierten Landwirten, der Landwirtschaftskammer OÖ, dem Biomasseverband OÖ und dem Land OÖ konnten die Pilotprojekte in Enknach und in Geiersberg realisiert werden“, schilderte Günther Danninger, Geschäftsführer des OÖ Biomasseverbandes. „Diese sollen die Machbarkeit und die Praxistauglichkeit demonstrieren, sowie wertvolle Erkenntnisse für künftige Anlagen liefern.“ Aus Effizienz- und Wirtschaftlichkeits-gründen sollte immer ein wärmegeführten Betrieb angestrebt werden. Durch die große Anzahl geeigneter Nahwärmeanlagen und Gewerbebetriebe ist dementsprechend großes Potenzial vorhanden. Kleinanlagen, die wärmegeführt betrieben werden, könnten in Zukunft auch für landwirtschaftliche Betriebe oder Gewerbebetriebe interessant werden, bestehende Hackgutkessel ersetzen und dadurch gleichzeitig Strom und Wärme produzieren. „Aus unserer Sicht ist genug Biomasse dafür regional vorhanden, da es sich um ‚Kleinanlagen’ handelt“, erklärte Danninger. In Oberösterreich wären bei geeigneten Rahmenbedingungen in den nächsten 20 Jahren 100 Anlagen mit je 150 kWel. bei Nahwärmeprojekten umsetzbar und weitere 200 Anlagen mit je 30 kWel. bei landwirtschaftlichen oder gewerblichen Betrieben. Die künftigen Rahmenbedingungen entscheiden über die Entwicklung der Holzgasanlagen. Für einen wirtschaftlichen Betrieb bedarf es laut Geschäftsführer einer höheren Förderquote und eines entsprechenden wertgesicherten Einspeisetarifes. „Ohne Wertsicherung des Einspeisetarifes kann aus unserer Sicht nicht empfohlen werden, in rohstoffbetriebene Anlagen zu investieren“, so Danninger. Die erforderlichen Rahmenbedingungen: Mindestens 40 % Investitionsförderung und 16 Cent Einspeisetarif – wertgesichert bei wärmegeführtem Betrieb.


Kleiner Leistungsbereich im Kommen. „Die aktuellen Entwicklungen bei Öfen und Herden orientiert sich zum einen an den geänderten Anforderungen am Markt. Hier sind vor allem die Reduktion der Leistung auf 5 bis 10 kW und die Einbindung von Warmwasser als wichtige Punkte zu nennen“, berichtete Christoph Schmidl von Bioenergy2020+. Zum anderen werden laufend die Anforderungen an Emissionen und Wirkungsgrade der Geräte erhöht. Auch hier wird bei den Herstellern in Kooperation mit Forschungs- und Entwicklungsunternehmen intensiv an technologischen Innovationen gearbeitet. Der laufende technologische Fortschritt ist neben dem Markt und den geeigneten Anforderungen der dritte wesentliche Erfolgsfaktor auf dem Weg zur gemeinsamen Vision 2050: „100 % Erneuerbare Wärme“.

Modernisierung reduziert Feinstaubemissionen. „Die Luftgütequalität hinsichtlich Feinstaubs war und ist in Österreich Gegenstand ständiger öffentlicher Diskussionen“, informierte Thomas Brunner von Bioenergy2020+. Auslöser dafür ist, dass der im Immissionsschutzgesetz-Luft (IG-L) für Feinstaub (PM10 = Partikel mit einem aerodynamischen Durchmesser <10 μm) festgelegte Grenzwert von 50 μg/m3 (Tagesmittelwert) an vielen Messstellen in den vergangenen Jahren öfter als die erlaubten 25 mal pro Jahr überschritten wurde. Diese Grenzwertüberschreitungen betreffen einerseits städtische Ballungszentren aber andererseits auch klimatisch nachteilig gelegene ländliche Gebiete (Kessellagen). Die Hauptemissionsquellen von Feinstaub waren im Jahr 2008 der Hausbrand (29 %), die Industrie (27 %), der Verkehr (23 %) und die Landwirtschaft (15 %). Beim Hausbrand wiederum dominieren die Emissionen von Holzfeuerungen (90 % der PM10 Emissionen des Hausbrandes). „Dies liegt vor allem auch daran, dass der Anlagenbestand in Österreich von Altanlagen dominiert wird, die auf Grund ihres unzureichenden feuerungstechnischen Entwicklungstandes um den Faktor 10 bis 100 höhere Feinstaubemissionen aufweisen als moderne Biomasse-Kleinfeuerungen. Bei den PM2,5-Emmissionen (also Partikel mit einem aerodynamischen Durchmesser <2,5 μm – den so genannten Feinststaub) zeigt sich eine noch deutlichere Dominanz des Hausbrandes (44 %) gefolgt vom Verkehr (25 %) und der Industrie (17 %).
Speziell bei den Biomasse-Zentralheizungssystemen konnten laut Brunner in den vergangenen Jahren die Feinstaubemissionen durch entsprechende Neu- und Weiterentwicklungen erheblich gesenkt werden. Während bei alten, technisch nicht ausgereiften Scheitholzkesseln, durchschnittli-che Feinstaubemissionen von mehr als 100 mg/MJ gemessen werden, können mit modernen Pellet-, Hackgut und Scheitholzkesseln mittlere Emissionen (über einen gesamten Tagesbetriebszyklus gemessen) von weniger als 20 mg/MJ erzielt werden. Im realen Feldbetrieb zeigen sich jedoch auf Grund einer unzureichend umgesetzten Luftstufung noch Schwächen beim Lastwechsel und Teillastbetrieb, die zu erhöhten Emissionen während dieser Phasen führen. „Durch entsprechende Weiterentwicklung der eingesetzten Regelungsstrategien in Richtung einer optimierten Fahrweise bei Teillast und einer verbesserten Teillastfähigkeit sollte es möglich sein, über einen ganzen Betriebstag gesehen, die ohnehin im Vergleich zu Altanlagen bereits sehr niedrigen Feinstaubemissi-onen, um weitere rund   50 % abzusenken“, versichert Brunner.
Verbesserungen bei den Hauptemissionsquellen können sich laut Brunner nur dann auf die Gesamtemissionssituation positiv auswirken können, wenn alte Technologien, die nach wie vor den Bestand in Österreich dominieren, durch neue ersetzt werden. Für Biomassezentralheizungen heißt dies insbesondere, dass alte Scheitholzkessel (in der Regel Naturzugkessel) durch Neuanlagen substituiert werden. Eine Nachrüstung dieser Altanlagen mit Filtern ist derzeit nicht sinnvoll, da, wie internationale Studien belegen, noch keine entsprechenden Filtersysteme, die auch für einen Langzeitbetrieb in Altanlagen geeignet sind, am Markt verfügbar sind. „Diesbezüglich sind die Entwicklungen der nächsten Jahre noch abzuwarten“, empfiehlt Brunner.

>> Impressionen von 16. Biomasse-Tag