
Erneuerbare Energien in den USA im Aufwind
Große Chancen für österreichische Umwelttechnologien
Der Anteil an erneuerbaren Energien am energetischen Endverbrauch in den USA betrug im Vorjahr 8,2 % – Tendenz steigend. Zum Vergleich lag dieser 2003 noch bei 6,2 %. Bis 2003 war die Wasserkraft für den größten Teil innerhalb der erneuerbaren Energien verantwortlich. Jedoch hat sich seit 2004 das Blatt gewendet: Nunmehr dominiert die Biomasse. Vor allem die Politik zugunsten der Biotreibstoffe (Ethanol) hat zum rasanten Anstieg der erneuerbaren Energien aus Biomasse (50 % Anteil) beigetragen. Die zweitgrößte Ressource ist mit 35 % die Wasserkraft, gefolgt von der Windenergie mit 9 % und der geothermischen Energie mit 5 % sowie der Solarenergie mit 1 %. Die Windenergie wächst stetig, die Solarenergieproduktion hat sich in den vergangenen 20 Jahren sogar verdoppelt. Dagegen stagniert die Nutzung der geothermischen Energie.
USA als Weltmarktführer
Die USA sind Weltmarktführer in der Ethanolproduktion. Man hat diese Führungsrolle von Brasilien 2006 übernommen. Bis Jahresende werden rund 44 Mrd. l Ethanol erzeugt. Gemäß Energy Bill 2007 soll die Jahresproduktion bis 2022 auf 144 Mrd. l steigen, davon rund 60 Mrd. l auf Maisbasis. Die USA sind weltweit auch der größte Markt für Windenergie. Dominierende Bundesstaaten sind Texas, Kalifornien und Iowa. Die Windenergieanteile sind weiterhin im Ausbau. Im Solarenergie-Bereich liegt man an vierter Stelle. Besonders stark vertreten sind hier Kalifornien, Arizona, Nevada und Florida. Die Photovoltaik steht im Vordergrund beim weiteren Ausbauprozess, was an der steigenden Import- Entwicklung bei der Solarthermik ersichtlich ist.
USA als wichtigster Energieverbraucher
Die USA konsumierten mit rund 94,6 Brd. BTU im Vorjahr rund 20 % des globalen energetischen Verbrauchs. Diese Führungsrolle wird man in den kommenden Jahren an China übergeben. Unter Betrachtung des Pro-Kopf-Verbrauchs bleiben jedoch die USA mit rund 300 Mio. Einwohnern weiterhin die nächsten Jahrzehnte für den Energiemarkt wichtig, denn ein Fünftel des globalen Energieverbrauchs entfallen auf 5 % der Weltbevölkerung. Die USA gelten mit einer 30 %igen Quote als Energie-Nettoimporteur. Vor allem fossile Energieträger wie Erdöl, Erdgas und Kohle werden eingeführt. Abgesehen von den geringen Bioethanol-Mengen spielen dabei die erneuerbaren Energien keine Rolle. Die Energie-Exporte sind ebenfalls bescheiden. 6,7 % des energetischen Endverbrauchs, darunter Biodiesel-Ausfuhren nach Europa, beinhaltet die Exportbilanz.
Energieunabhängigkeit als Ziel
Die Rezession ist in den USA zu Ende. Das Wirtschaftswachstum beträgt heuer 2,6 %. Die Wirtschaft erholt sich langsam, trotz der hohen Verschuldung von 13 Trillionen USD und einer Arbeitslosenrate von 9,8 %. Die Rufe nach Energieunabhängigkeit werden immer lauter, da Staaten aus denen die USA Energie importieren, „meist die USA nicht mögen“ (Zitat von Ex-Präsident George W. Bush). Mit dem Ziel der Energieunabhängigkeit hatten die Verfechter eines US-Klimaschutzgesetzes argumentiert. Man forderte die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie die Stärkung der US-Volkswirtschaft mittels Energieeffizienz. Nach den Kongresswahlen am 2. November und dem Machtwechsel zugunsten der Republikaner wurden sind die Hoffnungen für ein nationales Klimaschutzgesetz Vergangenheit. Unabhängig von der Diskussion um ein „Climate Bill“ stehen sowohl Demokraten als auch Republikaner für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Senator John Kerry engagiert sich besonders für das parteiübergreifende Energy Bill mit Fokus auf erneuerbare Energien. Der Administrator der EIA (Energy Information Administration) behauptet, dass der Anteil der erneuerbaren Energien bis 2035 auf 22 % anwachsen könnte. Größtes Fragezeichen dabei ist die Zukunft der nuklearen Energie beziehungsweise des Erdgases, die oftmals auch als „saubere“ Energiequellen gesehen werden. Der Ausbau der Atomkernkraftwerke ist ein Anliegen vieler Republikaner, jedoch gleichzeitig teuer und zeitaufwendig. Hinzu kommt die offene Frage des Atommülls.
Milliardenförderungen vorhanden
Der erneuerbare Energiemarkt in den USA wird vor allem durch einzelstaatliche Aktionen gelenkt, weniger aufgrund bundesweiter Gesetze. Einzige Ausnahme stellt die Förderung von Bioethanol (Energy Bill 2007) dar. So ist Kalifornien nicht nur Klimaschutzpionier sondern produziert auch mehr geothermische, Solar- und Windenergie als alle anderen US-Bundesstaaten. Das Zusammenspiel zwischen Land- und Energiewirtschaft funktioniert in den USA noch nicht wie in Österreich.
Die Förderungen zugunsten erneuerbarer Energien nehmen in den USA zu, jedoch zielen die meisten auf jene Quellen ab, die Strom generieren oder für den Verkehr in Frage kommen. Für die Erzeugung von Wärme aus erneuerbaren Energien (Solar oder Biomasse) gibt es praktisch kaum Förderungen. Vor allem das Konjunkturpaket 2009 (American Recovery and Reinvestment Act 2009) sieht Investitionen in neue Technologien vor. Dadurch kann der Sektor erneuerbare Energien bis 2011 Milliardenbeträge für Investitionen oder Steuererleichterungen lukrieren.
Große Export-Chancen für Österreich
Die österreichische Exportinitiative „Umwelttechnologien“ wurde 2005 ins Leben gerufen. Sie ist eine Kooperation zwischen dem Lebensministerium und der Wirtschaftskammer Österreich. 146 österreichische Unternehmen aus den Bereichen Umwelt- und Erneuerbare Energietechnologien haben bereits von der Initiative profitiert.
Im Mai 2008 hat das Lebensministerium und Kalifornien eine Absichtserklärung zur Kooperation im Bereich Umwelt und erneuerbare Energien unterzeichnet. Mehrere Werbeaktionen für den Sektor wurden in den USA initiiert, wie beispielsweise in Los Angeles, New York und Chicago. Die größten Export-Chancen für österreichische Unternehmen sind Biomasseheizungen, Biogasanlagen und Zulieferungen von Windkraftanlagen und Komponenten für die Solarthermie.
Wärmegewinnung aus Biomasse in den Kinderschuhen
Obwohl noch vor 150 Jahren mehr als 90 % der Energie in den USA aus Holz gewonnen wurde, ist den Amerikanern heute das Potential der Biomasse für Wärmegewinnung großteils unbekannt. Wärmegewinnung aus Biomasse ist noch ein „junger“ Markt. Erst 2009 wurde mit dem „Biomass Thermal Energy Council“ eine Interessensvertretung dafür gegründet. Der republikanische Abgeordnete Charlie Bass aus New Hampshire möchte im neuen Kongress erstmals einen Biomasse-Ausschuss einrichten. Nur wenige Förderungen sind vorhanden für diese Schiene der Wärmegewinnung. In den USA gibt es zweifelsohne mehrere regionale Märkte für den Auf- beziehungsweise Ausbau von Biomasseheizungen. Wesentlicher Erfolgsfaktor liegt in den Preisen zu den in Konkurrenz befindlichen fossilen Treibstoffen (Erdgas und Heizöl).
Jetzt einsteigen und profitieren
Bei Anstieg der Rohölpreise werden die Forderungen nach Alternativenergien in den USA wieder lauter werden. Der US-Markt ist für die österreichischen Betriebe ein „Window of opportunity“. Wer jetzt investiert und Präsenz zeigt, wird vor allem bei steigenden fossilen Energiepreisen erfolgreich auf dem US-Markt agieren.
Biographie des Autors Dipl. Ing. Hans Kordik:
Dipl.-Ing. Hans Kordik ist seit September 2007 Botschaftsrat für Agrar- und Umweltangelegenheiten an der Österreichischen Botschaft in Washington DC. Nach dem Studium der Agrarökonomik an der Universität für Bodenkultur sammelte Kordik in der Generaldirektion Landwirtschaft der Europäischen Kommission seine ersten Erfahrungen im Bereich der Gemeinsamen Agrarpolitik. 1994 wechselte er in die Agrarmarkt Austria und war 1997 bis 99 als Leiter der Abteilung Ausgleichszahlungen maßgeblich für den Aufbau des österreichischen Agrarförderungsapparates nach dem EU-Beitritt verantwortlich. Nach einem weiteren Auslandsposten als Agrarattaché an der Ständigen Vertretung Österreichs bei der Europäischen Union in Brüssel wurde Kordik im Februar 2000 von Bundesminister Mag. Wilhelm Molterer in dessen Kabinett im Landwirtschafts- und Umweltministerium berufen. Auch im Kabinett von Bundesminister DI Josef Pröll leitete er die EU- und internationalen Angelegenheiten. Ab 2003 übernahm er auch die Abteilung EU-Koordination im Landwirtschaftsministerium und vertrat als Sprecher im Sonderausschuss Landwirtschaft die österreichischen Agrarinteressen in Brüssel.





