Bedeutung von Bioenergie in Österreich


Die Bioenergie hat sich in den vergangenen Jahren zur wichtigsten heimischen Energiequelle und zu einer tragenden Säule der Energieversorgung entwickelt. Durch die energetische Nutzung von Biomasse können kostspielige Importe von Erdgas und Erdöl aus teils politisch instabilen Staaten über weite Entfernungen verringert werden. Dies erhöht die Unabhängigkeit bei der Energieversorgung und mildert auch soziale Probleme bei der heimischen Bevölkerung, die durch steigende Öl-, Gas- und Kraftstoffpreise verursacht werden. Der dezentrale Weg der heimischen Biomassenutzung ist zukunftsweisend, weil er Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Region schafft. 

Kurze Transportwege helfen, Kosten und Treibhausgase einzusparen. Bei allem Bestreben nach Wachstum und weiterem Ausbau der Bioenergienutzung darf ein wichtiges Faktum nicht übersehen werden: Biomasse ist ein Rohstoff, der nicht unbegrenzt verfügbar ist. Vor allem ökologische Grenzen der Biomassenutzung sind zu beachten. Die nachhaltig vorhandenen Biomassepotenziale müssen daher bestmöglich mobilisiert und mit höchstmöglicher Effizienz genutzt werden.

Die Bedeutung der Bioenergie ist in Österreich in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Sie ist mit einem Anteil von 59 Prozent der wichtigste erneuerbare Energieträger. Der Anteil der Bioenergie am gesamten Energieverbrauch konnte zwischen den Jahren 1990 und 2015 von neun auf 17 Prozent gesteigert werden, obwohl sich der Energieverbrauch in Österreich innerhalb dieser Periode um mehr als ein Drittel erhöht hat. Diese Steigerung war nur möglich, weil der Biomasseeinsatz seit dem Jahr 1970 absolut um mehr als das 5-Fache ausgebaut werden konnte. Konkret erhöhte sich der Biomasseeinsatz von knapp 50 Petajoule im Jahr 1970 auf 241 Petajoule im Jahr 2015. Österreich muss gemäß EU-Vorgaben im Jahr 2020 einen Anteil von 34 Prozent erneuerbarer Energie im Energiemix erreichen. Aktuell beträgt der Anteil der erneuerbaren Energie in Österreich 32,8 Prozent. Der Anteil der übrigen erneuerbaren Energiequellen schwankt seit Jahrzehnten zwischen 10 und 13 Prozent und hat sich auch mit Stabilisierung des Energieverbrauchs ab 2005 nur unwesentlich erhöht. Ohne Biomasse ist das 34-Prozent-Ziel für 2020 unerreichbar. Wenn es gelingt, die brachliegenden Rohstoffpotenziale aus der Forst- und Holzwirtschaft, der Landwirtschaft und aus dem Abfallsektor zu mobilisieren, ist eine weitere Steigerung der Biomassenutzung um fast 40 Prozent bis 2030 möglich. Der Biomasseeinsatz könnte von 241 Petajoule auf 340 Petajoule im Jahr 2030 ausgebaut werden.

Der energetische Endverbrauch von Bioenergie hat sich in Österreich von 139 Petajoule im Jahr 2005 um 54 Prozent auf 206 Petajoule im Jahr 2015 erhöht. Der Wärmemarkt war 2015 mit einem Anteil von 78 Prozent der zentrale Markt für die Bioenergie, gefolgt von Biotreibstoffen mit einem Marktanteil von 14 Prozent und der Ökostromerzeugung aus Biomasse und Biogas mit acht Prozent. Bioenergie kommt vor allem den Haushalten zugute. Eine Analyse der in Österreich eingesetzten biogenen Brennstoffe und Brennholz (ohne flüssige und gasförmige Brennstoffe) zeigt, dass mehr als die Hälfte der Brennstoffe in privaten Haushalten verwendet wird. Fast ein Drittel der Bioenergie wird im produzierenden Bereich eingesetzt – alleine 25 Prozent in der Holzindustrie (Sägeindustrie und Weiterverarbeitung). Gut 11 Prozent der biogenen Brennstoffe kommen im öffentlichen und privaten Dienstleistungssektor zum Einsatz, vergleichsweise geringe 5 Prozent in der Landwirtschaft.

Bei Mobilisierung der vorhandenen Potenziale ist eine weitere Steigerung der Bioenergienutzung um 41 Prozent bis 2030 (auf 290 PJ) möglich. Voraussichtlich wird auch im Jahr 2030 der Wärmemarkt mit über 75 Prozent Anteil der dominierende Bioenergiemarkt sein. Mit Blickrichtung auf das Jahr 2050 wird erwartet, dass Biomasse verstärkt zur Stromerzeugung, zur industriellen Wärmeerzeugung für Hochtemperaturprozesse sowie im Verkehrssektor eingesetzt wird, wobei Biokraftstoffe vor allem im Luftfahrtsektor massiv an Bedeutung gewinnen könnten.

Rohstoffe Lange Zeit dominierte die Verwendung von Brennholz den Biomassemarkt. Erst in den vergangenen Jahren rückte die Nutzung von biogenen Brenn- und Treibstoffen (z. B. Hackgut, Sägenebenprodukte, Pellets, Biotreibstoffe und Biogas) in den Vordergrund und gewann aufgrund des starken Marktwachstums immer mehr an Bedeutung. Der Einsatz von Brennholz ist aber weiterhin relativ stabil geblieben. Der Wald ist die bedeutendste Rohstoffquelle für den Biomassesektor. Im Jahr 2015 basierten 78 Prozent der in Österreich eingesetzten Biomasse auf Holz. Der Rest kam aus der Landwirtschaft und dem Abfallsektor, wobei Biotreibstoffe einen Anteil von 14 Prozent aufwiesen, gefolgt von sonstigen biogenen festen Brennstoffen mit 4,7 Prozent, Biogas, Klärgas und Deponiegas mit 2,1 Prozent sowie biogenen Abfällen mit 1,7 Prozent. Holz bleibt auch 2030 mit mehr als 70 Prozent der Bioenergie der dominierende Rohstoff.

Ausbaupotenziale Bis 2030 kann der energetische Einsatz von Bioenergie um 100 Petajoule ausgebaut werden. Etwa 60 Prozent davon erschließen sich aus holzbasierten Energieträgern aus der Forstwirtschaft und Laugen. Der Rest stammt aus der Landwirtschaft und der Abfallwirtschaft. Etwa 9 Prozent können durch Kurzumtriebsflächen bereitgestellt werden. Mit einem Anteil von 17 Prozent am Ausbaupotenzial könnte Biogas seinen energetischen Einsatz gegenüber 2015 mehr als verdoppeln. Im Bereich Rohstoffe gilt es, die Bereitstellung von Biomasse für die energetische Nutzung auszubauen und zu professionalisieren. Dazu müssen einerseits mehr finanzielle Mittel für Forschung und Entwicklung sowie für die Umsetzung von Pilot- und Demonstrationsprojekten bereitgestellt werden, andererseits müssen gezielte Investitionsförderprogramme und spezifische Flächenförderprogramme – speziell für die Forcierung von alternativen Energiepflanzen – klare Anreize für die Produktion und Bereitstellung von zusätzlicher Biomasse schaffen.

Holz Der Wald ist und bleibt die bedeutendste Rohstoffquelle für den Biomassesektor. Österreich verfügt derzeit über historisch hohe Holzvorräte; seit 1970 ist das Holzvolumen in Österreichs Wäldern um etwa 45 Prozent angewachsen. Es wird noch immer weniger Holz genutzt als zuwächst. Insgesamt wurden in Österreich 2015 rund 24,5 Millionen Festmeter Holz in Haushalten, Gewerbebetrieben und in der Holz verarbeitenden Industrie (Sägewerke, Platten-, Papier- und Zellstoffindustrie) energetisch genutzt. Bis 2030 könnte der Energieholzeinsatz um 27 Prozent bzw. rund 6,5 Millionen Festmeter auf knapp 31 Millionen Festmeter erhöht werden. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn der Holzeinsatz in Österreich in der stofflichen und energetischen Verwertung deutlich erhöht wird und rasch umfassende Maßnahmen zur Mobilisierung der Potenziale, vor allem im bäuerlichen Kleinwald, gesetzt werden. Dazu wird Folgendes unterstellt:
• Der Holzeinschlag gemäß Holzeinschlagsmeldung erhöht sich von 20,5 Millionen Festmeter (Erntefestmeter inkl. Rinde) auf 29 Millionen Festmeter im Jahr 2030.
• Der Holzimport bleibt in etwa konstant, die Exporte von Pellets werden reduziert.
• Das sonstige Holzaufkommen (von Holzeinschlagsmeldung nicht erfasste Mengen), von Flurgehölzen, Strauch-schnitt, Altholz etc. erhöht sich von 6,9 auf 9 Millionen Festmeter im Jahr 2030.

Wald liefert Vielzahl an Sortimenten In einem erntereifen Waldbestand fallen bei der Holzernte gleichzeitig für alle Verwertungsbereiche Baumteile an. Das wertvollste Holz bilden die stärksten, möglichst geraden und astfreien unteren Stammteile, die als Sägerundholz oder in Ausnahmefällen als Furnierholz oder Fassholz die besten Preise am Holzmarkt erzielen. Aus den dünneren und qualitativ ungünstigeren Stammteilen wird einerseits Industrieholz für die Papier- und Zellstoff sowie die Plattenindustrie und andererseits Energieholz (Scheitholz oder Hackgut) erzeugt. Starke Äste, sehr krumme oder von Sturm oder Borkenkäfern beschädigte Baumteile werden in erster Linie zu Energieholz verarbeitet. Einige Baumarten werden von der Holzindustrie wenig nachgefragt – besonders harte und schwere Hölzer, wie Hainbuche, Robinie oder Zerreiche, werden daher vor allem als Energieholz genutzt. So entstehen an einem Waldort sowohl während des Bestandeswachstums durch Waldpflege als auch bei der Ernte des reifen Bestandes im Zuge einer optimalen Verwertung neben den Sortimenten für die Holz verarbeitende Industrie erhebliche Mengen an Scheitholz und Hackgut. Die Waldbesitzer erzeugen in ihren Wäldern gleichzeitig Sägerundholz sowie Industrie- und Energieholz. Dabei teilen sie die anfallenden Holzmengen nach den Grundsätzen der Marktwirtschaft in Sortimente ein. Etwa 80 Prozent der in Österreich eingesetzten Frischholzmenge werden industriell verwertet. Die übrigen 20 Prozent dienen als regionaler Brennstoff in Österreichs Haushalten und Nahwärmeanlagen.

Markt regelt Verwertungspfade An jedem Punkt der Wertschöpfungskette – sowohl bei der Holzbereitstellung durch den Waldbesitzer als auch bei der Holzverarbeitung in Gewerbe und Industrie – sorgt die betriebswirtschaftliche Optimierung nach den Regeln des Marktes dafür, dass die Haupt-, Koppel- und Nebenprodukte den jeweils besten Verwertungspfad einschlagen. Gesetzliche Vorgaben zur Rohstofflenkung würden zum Marktversagen führen und wären daher für alle Teilnehmer am komplexen Holzmarkt kontraproduktiv. Immer wieder geführte Diskussion um die stoffliche „oder“ energetische Nutzung von (biogenen) Rohstoffen geht am Kern der Sache vorbei. Die Lösungsansätze liegen nicht im „Entweder-oder“, sondern im „Sowohl-als-auch“. Fast die gesamte auf den Markt gebrachte Holzmenge wird nach dem Marktdurchlauf früher oder später energetisch verwertet. Überspitzt könnte man formulieren: „Alle Wege der Wertschöpfungskette Holz führen in den Ofen.“ Das Ziel sollte sein, eine möglichst große Holzmenge unter Wahrung der Nachhaltigkeitsprinzipien dem Markt zuzuführen und einen möglichst intelligenten Marktdurchlauf mit höchster Wertschöpfung und Energieeffizienz zu gestalten.

Nachhaltigkeit von Biomasse Die EU-Kommission befasst sich seit einiger Zeit mit Arbeiten zu Nachhaltigkeitskriterien für feste Biomasse und Biogas, aus denen Wärme, Kälte, Strom oder Treibstoffe erzeugt werden. Bereits 2010 hat die Kommission in einem Bericht Empfehlungen für die Mitgliedsstaaten formuliert. Nun wird über die Einführung verpflichtender Nachhaltigkeitskriterien nachgedacht, was vor allem waldreiche EU-Mitgliedsstaaten, darunter Schweden, Finnland und Österreich, ablehnen. Auch der Österreichische Biomasse-Verband spricht sich klar gegen die Einführung von zusätzlichen Nachhaltigkeitskriterien für feste Biomasse und Biogas im Rahmen eines harmonisierten europäischen Nachhaltigkeits-Rahmenwerks aus, denn die Nachhaltigkeit der Biomasseproduktion in der EU wird für die Forstwirtschaft über die nationalen Forstgesetze und für die Landwirtschaft über Vorgaben zur Cross Compliance ausreichend sichergestellt. Darüber hinaus besteht mit PEFC ein praxistaugliches Zertifizierungssystem für die nachhaltige Holz- und Biomasseproduktion. Neue Nachhaltigkeitssysteme und Zertifikate würden daher nur zusätzlichen Bürokratie- und Kostenaufwand bedeuten. Das Hauptaugenmerk muss vielmehr darauf gerichtet werden, den Import von nicht nachhaltig produzierter Biomasse aus Drittstaaten zu unterbinden bzw. nicht für die EU-Zielerreichung bei erneuerbaren Energien anzurechnen.

Publikationen zum Thema

Bioenergie 2030


Die Broschüre „Bioenergie 2030“ soll darlegen, welchen Beitrag der Biomassesektor zur Energiewende in Österreich leisten kann. Es werden Stärken und Schwächen des Sektors beleuchtet sowie die Chancen und Risiken erörtert.

  • Größe: 6.9 MB
  • Veröffentlicht: 17.11.2015
  • Autor: ÖBMV

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Volkswirtschaftliche Bedeutung der Bioenergie


Der verstärkte Einsatz von Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energie erhöht nicht nur den nationalen Selbstversorgungsgrad mit Energie und reduziert die Treibhausgasemissionen, sondern bringt auch eine Umstrukturierung der heimischen Wirtschaft in Richtung eines zukunftsfähigen Wirtschaftssystems mit sich. Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energie haben in Österreich in vielen Bereichen eine lange Tradition, aus der Marktführerschaften, Patente und Forschungskompetenzen hervorgegangen sind. Dieser Hintergrund eröffnet den heimischen Unternehmen auch große Chancen auf den Exportmärkten und bringt dem Staat eine hohe inländische Wertschöpfung. Den größten Beitrag zum Gesamtumsatz erbringt unter den erneuerbaren Energien der Sektor der festen Biomasse mit 30 Prozent. Er erzielte 2015 einen Gesamtumsatz aus Investitionen und Energiebereitstellung mehr als 2 Milliarden Euro. Die Bereitstellung der festen biogenen Brennstoffe ist auch jener Bereich, der mit 1,3 Milliarden Euro die größten absoluten Betriebseffekte aller betrachteten Technologien erbringt. Im Bereich der Investitionen in die Erneuerbare-Energien-Technologien sind etwa 16.200 Beschäftigte und im Bereich der Energiebereitstellung rund 21.000 Beschäftigte zu verzeichnen. Der größte Teil der Beschäftigungseffekte ergibt sich aus der Bereitstellung der Brennstoffe (Stückgut, Hackgut und Holzpellets). Insgesamt ist fast jeder zweite Arbeitsplatz der Branche Erneuerbare Energie im Bereich der Biomassenutzung angesiedelt.

Wertschöpfung mit Heizkesseln und Öfen

Im Jahr 2016 wurden im österreichischen Inlandsmarkt 4.320 Pelletskessel, 3.177 typengeprüfte Stückholzkessel, 696 Stückholz-Pellets-Kombikessel und 2.083 Hackschnitzelkessel – jeweils alle Leistungsklassen – abgesetzt. Zusätzlich konnten 1.773 Pelletsöfen, 5.468 Herde und 8.638 Kaminöfen heimischer Hersteller verkauft werden. Österreichische Biomasse-Kesselfabrikanten setzen rund 70 Prozent ihrer Produktion im Ausland ab. So kommen z. B. zwei von drei in Deutschland installierten Biomassefeuerungen aus Österreich, wobei Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien für die Produzenten die größten Exportmärkte darstellen.

Chancen für österreichische Wirtschaft

Das beträchtliche Entwicklungspotenzial im Bioenergiesektor schafft Chancen für Einkommen und „Green Jobs“ in der Land- und Forstwirtschaft, in der Holz verarbeitenden Wirtschaft, in der Energiewirtschaft und im Brennstoffhandel, bei der Produktion von Maschinen und Geräten, im Anlagenbau, aber auch in Forschung und Entwicklung, Schulung, Beratung und Weiterbildung. Gelungene Geschäftsmodelle und Erfolgsgeschichten im Inland sind die Basis für den Export von Maschinen zur Ernte von Biomassen und zur Erzeugung von Biobrennstoffen sowie von Anlagen zur effizienten Nutzung von Biomasse zur Wärme-, Strom- und Treibstoffproduktion.

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Publikationen zum Thema

Energie aus der Region - zukunftsfähig und nachhaltig


In der Broschüre „Energie aus der Region: zukunftsfähig und nachhaltig“ widmen sich namhafte Branchenexperten in neun Beiträgen der Rolle der Nachhaltigkeit für die heimische Land- und Forstwirtschaft und nehmen dabei ...

  • Größe: 4.5 MB
  • Veröffentlicht: 05.12.2012
  • Autor: ÖBMV
Bioenergie 2030


Die Broschüre „Bioenergie 2030“ soll darlegen, welchen Beitrag der Biomassesektor zur Energiewende in Österreich leisten kann. Es werden Stärken und Schwächen des Sektors beleuchtet sowie die Chancen und Risiken erörtert.

  • Größe: 6.9 MB
  • Veröffentlicht: 17.11.2015
  • Autor: ÖBMV

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