Burgenland steigert Erneuerbaren-Anteil von 50 auf 70 Prozent

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Hohe Treibhausgasemissionen im Verkehr belasten Klimabilanz

18.08.2026

(PA-ÖBMV)

  • Starker Ausbau von Windenergie, Photovoltaik und Stromspeichern
  • Bioenergie mit 29 % hinter Erdöl und Windkraft drittwichtigster Energieträger 
  • Burgenländische Fernwärme stammt zu 100 % aus Biomasse

Durch einen starken Ausbau von Windkraft und Photovoltaik konnte das Burgenland seinen Anteil erneuerbarer Energien am Bruttoinlandsverbrauch Energie in nur drei Jahren von etwa 50 % auf über 70 % steigern und damit unter allen Bundesländern die Spitzenposition beim Erneuerbaren-Anteil erringen, stellt der Österreichische Biomasse-Verband im Rahmen seines Energiewende-Checks der Bundesländer fest. Anders als im Rest Österreichs trägt die Wasserkraft im Burgenland aufgrund fehlender geeigneter Gewässer nur minimal zur Energieerzeugung bei. Bioenergie deckt dagegen 29 % des Energieverbrauchs und ist damit hinter Erdöl und Windkraft drittwichtigster Energieträger. 

Burgenland leidet stark unter Hitze und Dürre

Das warme und sonnige Burgenland eignet sich sehr gut für die Erzeugung von Wind- und Sonnenenergie, ist aber auch besonders stark von der Klimakrise mit zunehmenden Hitze- und Dürreperioden betroffen. Heuer wurde die schlechteste Getreideernte seit 56 Jahren eingefahren. Vor zwei Wochen wurde im burgenländischen Hornstein mit 28,5 °C als Tiefstwert die heißeste Tropennacht Österreichs aller Zeiten verzeichnet. Bis dato war das um 3,2°C zu warme Jahr 2024 das bislang wärmste Jahr in Burgenlands Messgeschichte. Eisenstadt verzeichnete 48 Hitzetage und 27 Tropennächte, wohingegen im Durchschnitt der Jahre 1961-1990 elf Hitzetage und zwei Tropennächte gemessen wurden.

Bilanzielle Klimaneutralität 2030 im burgenländischen Klimaschutzgesetz verankert 

Ziel des 2025 beschlossenen burgenländischen Klimaschutzgesetzes ist die bilanzielle Klima- und Energieneutralität bis 2030. Die im Burgenland produzierte Menge erneuerbarer Energie soll dann den gesamten Energieverbrauch des Landes überschreiten und damit noch aus fossilen Quellen benötigte Energie bilanziell kompensieren. Im Rahmen des „Projektes Tomorrow“ sollen bis 2030 rund 40 Wind- und Photovoltaik-Hybridparks mit einer Leistung von insgesamt 2.000 MW installiert werden. Das Klimaschutzgesetz sieht für das Jahr 2030 eine Erzeugung von mindestens 9.300 GWh erneuerbarer Energie vor. Als bisheriger Rekord stehen 6.875 GWh aus dem Jahr 2024 zu Buche. 

Bioenergie großteils aus burgenländischen Wäldern

Bioenergie stammt im Burgenland größtenteils aus den Wäldern, die sich über 34 % der Landesfläche erstrecken. Aufgrund des hohen Laubholzanteils ist der Anteil der energetischen Nutzung am Holzeinschlag mit etwa 40 % höher als im Bundesschnitt von 27 %. Dafür war der Schadholzanteil von 17 % im Jahr 2025 nur etwa halb so hoch wie in ganz Österreich. Scheitholz und Holzabfälle, wie Waldhackgut und Sägenebenprodukte, sind mit einem Anteil von je 39 % die wichtigsten biogenen Energieträger. Während Scheitholz zum Beheizen privater Haushalte und in der Landwirtschaft genutzt wird, werden Hackschnitzel in Biomasseheizwerken und Holzkraftwerken zur Erzeugung von Wärme und Strom eingesetzt. Angesichts der hohen Fahrleistungen im Straßenverkehr erreichen auch beigemischte Biotreibstoffe einen Anteil von fast 10 % unter den biogenen Sortimenten.  

Holzheizungen wichtigstes Heizsystem – Treibhausgasemissionen halbiert

Der Brennholzeinsatz zur Raumwärmegewinnung hat im Burgenland Tradition. Etwa 35.000 Haushalte (31 %) verwenden Holzbrennstoffe in ihrem Hauptheizsystem (26 %). Damit sind Holzheizungen das wichtigste Heizsystem vor Gasheizungen (23 %), Wärmepumpen (22 %) und Fernwärme (13 %). 2024 wurde eine Rekordzahl von 1.369 neuen Holzheizungen <100 kW im Burgenland installiert. 2025 kamen 908 Biomassekessel (63 % Pelletskessel, je 17 % Stückholz- und Stückholz-Pellets-Kombikessel sowie 3 % Hackgutheizungen) dazu. Die Anzahl der Ölheizungen ist in den vergangenen 20 Jahren von 27.000 auf 15.000 (–45 %) zurückgegangen, allerdings hat sich der Austausch von Ölkesseln in den letzten Jahren verlangsamt. Die Zahl der Gasheizungen ist seit 2003/04 sogar um rund 2.500 auf 30.500 Kessel gestiegen. Ein Phase-out fossiler Heizungen ist somit nicht in Sicht. In der Klimastrategie Burgenland 2030 wurden Regelungen für den Austausch aller bestehender Ölheizungen im Bestand bis 2035 in Aussicht gestellt, aber bislang nicht festgesetzt. Infolge des Ersatzes von Öl- und Kohleheizungen durch erneuerbare Heizsysteme, der milden Witterung und der in den letzten Jahren hohen Energiepreise sind die Treibhausgasemissionen in Gebäuden seit 1990 um 51 % gesunken.

Mehr Holzenergie in der Raumwärme als Öl und Gas zusammen

Der Beitrag von Holzenergie am Raumwärmeverbrauch der burgenländischen Haushalte liegt bei 48 % (38 % Scheitholz, 5 % Fernwärme, je 2 % Pellets und Hackgut, 1 % Holzbriketts). Das ist weit mehr als Heizöl und Erdgas zusammengenommen. Aufgrund der hohen Gaspreise haben die Haushalte Erdgas in den vergangenen Jahren sparsam eingesetzt, sodass der Gasanteil am Raumwärmeverbrauch 2023/24 mit 16 % hinter dem Heizölverbrauch zurückgefallen ist. Große Zuwächse gab es in den letzten Jahren beim Einsatz von Wärmepumpen und Stromdirektheizungen. Wärmepumpen deckten zuletzt 8,6 % des Raumwärmebedarfs, Stromheizungen 9,6 %. 

Steigender Energieverbrauch der Haushalte 

Der Endenergieeinsatz der burgenländischen Haushalte ist seit 1990 um 13 % gestiegen und hatte 2024 einen Anteil von 37 % am gesamten Endenergieeinsatz des Bundeslandes; einzig der Verkehr verbrauchte mehr (38 %). Im dezentral besiedelten Burgenland weisen private Haushalte mit über 22.000 kWh (AT: ca. 17.240 kWh) unter allen Bundesländern den durchschnittlich höchsten Energieeinsatz für Raumwärme, Warmwasser und Kochen auf. Seit 1990 hat sich die Anzahl der Hauptwohnsitze im Burgenland um 44 % und deren Wohnungsfläche um 63 % erhöht, bei einem Bevölkerungswachstum von 11 %. Die durchschnittliche Wohnnutzfläche ist seit 1990 von 111 m2 auf 126 m2 gestiegen. Zum Vergleich liegt in Wien die Wohnnutzfläche pro Hauptwohnsitz im Mittel bei 75 m2. Immerhin ist der Endenergieverbrauch pro m2Wohnnutzfläche bei burgenländischen Privathaushalten seit 1990 um 44 % zurückgegangen. 

Einziges Bundesland mit 100 % biogener Fernwärme

Fernwärme wird im Burgenland als einziges Bundesland zu 100 % aus Biomasse und damit nur im Burgenland ausschließlich aus erneuerbaren Quellen erzeugt. Dafür sorgen mehr als 90 Biomasseheizwerke und einige Holzkraftwerke. Zu 48 % wird Fernwärme von privaten Haushalten bezogen, zu 43 % werden damit Dienstleistungsgebäude wie Hotels, Büros oder Krankenhäuser beheizt. Allerdings deckt Fernwärme im dünn besiedelten Burgenland nur 5 % des Raumwärmebedarfs der Haushalte, österreichweit liegt dieser Wert bei 17 %. 

54 % Stromexporte – Aufbau von Großspeichern

Die Stromerzeugung im Burgenland stammt seit 2013 zu 100 % aus erneuerbaren Quellen. Allerdings wurden im Jahr 54 % der Stromproduktion exportiert und tragen damit außerhalb der Landesgrenzen zur Energiewende bei. Nur 18 % des eigenen Endenergiebedarfs wird durch Strom gedeckt. Mit den Stromüberschüssen hätte das Burgenland im Jahr 2024 rechnerisch 42 % seines fossilen Energieeinsatzes ersetzen können.  Um den Überschuss an erneuerbarem Strom besser nutzbar zu machen, hat das Burgenland in den letzten Jahren etliche Großspeicher realisiert, unter anderem in Siegendorf, Oberpullendorf, Rechnitz, Apetlon oder Nickelsdorf, wo im Juni 2026 der zweitgrößte Super-Hybridpark Europas eröffnet wurde, der Windkraft, Photovoltaik und Batteriespeicher mit einer gemeinsamen Infrastruktur kombiniert. Bis 2027 sollen Batteriespeicher mit einer Leistung von 700 MW im Burgenland errichtet werden, wie es derzeit etwa in Güssing geschieht. 

Vorreiter bei der Windkraft – Spätstarter bei Photovoltaik 

Im Burgenland hat die Windkraft einen Anteil von 78 % an der Stromproduktion. Ende 2024 produzierten im Burgenland 428 Windkraftwerke mit einer Leistung von 1.370 MW rund 11 PJ Strom. Dies entspricht einem Drittel der österreichischen Windstromerzeugung. Die Photovoltaik wurde im Vergleich zur Windkraft erst spät forciert: Ab 2019 wurde die Solarstromerzeugung dann in nur fünf Jahren auf 2,1 PJ nahezu verzehnfacht und trug damit zu 15 % des Stromaufkommens bei. Alleine 61 % der Ende 2024 im Burgenland installierten PV-Leistung von 1.027 MWp wurden im selben Jahr aufgebaut. 5 % der Stromerzeugung gehen auf das Konto von Holzkraftwerken und Biogasanlagen.  

Land der Pendler forciert Elektromobilität 

Der Verkehrssektor verursacht die Hälfte der Treibhausgasemissionen des Burgenlandes, seit 1990 sind die Emissionen durch zunehmenden Straßenverkehr und Tanktourismus um 59 % gestiegen. Im „Bundesland der Pendler*innen“, aus dem 40 % der Erwerbstätigen in andere Bundesländer oder ins Ausland pendeln, werden die langen Straßenverkehrswege oft mit Diesel-Pkw (63 % der Pkw-km) zurückgelegt. Auf 100 Einwohner entfallen im Burgenland mit 33 Fahrzeugen die meisten Diesel-Pkw unter allen Bundesländern. Pro privatem Diesel-Pkw werden jährlich die meisten Kilometer (16.346 km) gefahren und die meisten Liter Kraftstoff (1.011 l) getankt. Nur 1,4 % der mit privaten Pkw zurückgelegten Kilometer entfallen auf Elektrofahrzeuge, 3,4 % auf Benzin-Elektro-Hybride. Das Burgenland hat sich in der E-Mobilitätsstrategie ambitionierte Ziele gesetzt: Bis 2030 möchte es das Bundesland mit dem höchsten Anteil an Elektroautos werden, den Anteil emissionsfreier Autos an Neuzulassungen auf mehr als 95 % steigern und den Bestand an E-Fahrzeugen auf über 50.000 erhöhen. Mitte 2026 liegt der Bestand an Elektro-Pkw bei 9.789 Fahrzeugen (4,6 % des Pkw-Bestands). Nur die Steiermark und Kärnten haben niedrigere Anteile an Elektroautos. 1.969 neu zugelassene Elektro-Pkw im Jahr 2025 entsprechen einem Anteil von 23 % an den Neuzulassungen, womit das Burgenland hinter Salzburg und Oberösterreich den drittbesten Rang belegt. Die Neuanschaffung von E-Fahrzeugen fördert das Burgenland mit bis zu 2.000 €. Mit der Verdichtung des Zugangebotes und dem Klimaticket wurden Anreize für die Pendler*innen zum Umstieg auf die Bahn geschaffen.

Rückfragehinweis:
Peter Liptay,
Österreichischer Biomasse-Verband
Tel.: 01/533 07 97-32, 0664/308 2603
E-Mail: liptay@biomasseverband.at
www.biomasseverband.at

Abb. 1: Durch Aufbau großer Kapazitäten an Windkraft und Photovoltaik produziert das Burgenland hohe Stromexporte, wichtigster erneuerbarer Energieträger neben Windenergie ist Bioenergie.  
Abb. 2: Durch den starken Ausbau von Windkraft und Photovoltaik stieg der Anteil erneuerbarer Energien 2024 auf einen Rekordwert von 70 %. 
Abb. 3: Die Hälfte der burgenländischen Treibhausgasemissionen entfällt auf den Straßenverkehr, verantwortlich sind der Güter- und Pendlerverkehr sowie der Tanktourismus.  
Abb. 4: Holzbrennstoffe (88 % Scheitholz, 5 % Pellets, 5 % Hackgut und 2 % Holzbriketts) in Einzelfeuerungen sind die wichtigsten Raumwärmeerzeuger für Burgenlands Haushalte.  
Abb. 5: Holzheizungen sind das wichtigste Heizsystem im Burgenland; während Ölheizungen deutlich abgenommen haben, gibt es bei Gaskesseln Steigerungen.   

 

 

Das Biomasseheizwerk Bad Tatzmannsdorf wurde 2025 auf 10 MW ausgebaut, es versorgt neben den Gemeinden Bad Tatzmannsdorf und Oberschützen auch die Avita-Therme, das Gesundheitsressort und das Reha-Zentrum mit Wärme.

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Abbildung Burgenland Energie AG 17.08.2026, Burgenland Energie AG 2,9 MB/JPG