Bedeutung der Bioenergie

Bioenergie in Österreich

Die Bioenergie hat sich in den vergangenen Jahren zur wichtigsten heimischen Energiequelle und zu einer tragenden Säule der Energieversorgung entwickelt. Durch die energetische Nutzung von Biomasse können kostspielige Importe von Erdgas und Erdöl aus teils politisch instabilen Staaten über weite Entfernungen verringert werden. Dies erhöht die Unabhängigkeit bei der Energieversorgung und mildert auch soziale Probleme bei der heimischen Bevölkerung, die durch steigende Öl-, Gas- und Kraftstoffpreise verursacht werden. Der dezentrale Weg der heimischen Biomassenutzung ist zukunftsweisend, weil er Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Region schafft.

Die Bioenergie hat sich in den vergangenen Jahren zur wichtigsten heimischen Energiequelle und zu einer tragenden Säule der Energieversorgung entwickelt. Durch die energetische Nutzung von Biomasse können kostspielige Importe von Erdgas und Erdöl aus politisch instabilen Staaten über weite Entfernungen verringert werden. Dies erhöht die Unabhängigkeit bei der Energieversorgung und mildert auch soziale Probleme bei der heimischen Bevölkerung, die durch steigende Öl-, Gas- und Kraftstoffpreise verursacht werden. Der dezentrale Weg der heimischen Biomassenutzung ist zukunftsweisend, weil er Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Region schafft. 

Bei allem Bestreben nach Wachstum und weiterem Ausbau der Bioenergienutzung darf nicht übersehen werden, dass der Rohstoff Biomasse nicht unbegrenzt verfügbar ist. Vor allem ökologische Grenzen der Biomassenutzung sind zu beachten. Die nachhaltig vorhandenen Biomassepotenziale müssen daher bestmöglich mobilisiert und mit höchstmöglicher Effizienz genutzt werden.

Tortendiagramm Bruttoinlandsverbrauch erneuerbarer Energieträger 2017
Bruttoinlandsverbrauch erneuerbarer Energieträger 2017

Wichtigster erneuerbarer Energieträger
Die Bedeutung der Bioenergie ist in Österreich in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Sie ist mit einem Anteil von 56 Prozent der wichtigste erneuerbare Energieträger. Der Anteil der Bioenergie am gesamten Energieverbrauch konnte zwischen den Jahren 1990 und 2017 von neun auf 16 Prozent gesteigert werden, obwohl sich der Energieverbrauch in Österreich innerhalb dieser Periode um 37 Prozent erhöht hat. Diese Steigerung war nur möglich, weil der Biomasseeinsatz seit dem Jahr 1970 absolut um beinahe das 5-Fache ausgebaut werden konnte. Österreich muss gemäß EU-Vorgaben im Jahr 2020 einen Anteil von 34 Prozent erneuerbarer Energie im Energiemix erreichen. Aktuell (2017) beträgt der Anteil der erneuerbaren Energie in Österreich 32,6 Prozent. Der Anteil der übrigen erneuerbaren Energiequellen schwankt seit Jahrzehnten zwischen 10 und 13 Prozent und hat sich auch mit Stabilisierung des Energieverbrauchs ab 2005 nur unwesentlich erhöht. Ohne Biomasse ist das 34-Prozent-Ziel für 2020 unerreichbar.

Liniendiagramm Anteil erneuerbarer Energieträger am Bruttoinlandsverbrauch mit und ohne Bioenergie 1970 bis 2017
Anteil erneuerbarer Energieträger am Bruttoinlandsverbrauch mit und ohne Bioenergie 1970 bis 2017

Verwendung der Bioenergie
Der energetische Endverbrauch von Bioenergie hat sich in Österreich von 130 Petajoule im Jahr 2005 um 60 Prozent auf 207 Petajoule im Jahr 2017 erhöht. Der Wärmemarkt war 2017 mit einem Anteil von 82 Prozent der zentrale Markt für die Bioenergie, gefolgt von Biotreibstoffen mit einem Marktanteil von 10 Prozent und der Ökostromerzeugung aus Biomasse und Biogas mit acht Prozent. Bioenergie kommt vor allem den Haushalten zugute. Eine Analyse der in Österreich eingesetzten biogenen Brennstoffe und Brennholz (ohne Biotreibstoffe und Biogas) zeigt, dass annähernd die Hälfte der Brennstoffe in privaten Haushalten verwendet wird. Etwa 37 Prozent der Bioenergie wird im produzierenden Bereich eingesetzt – alleine 30 Prozent in der Holz- und Papierindustrie. 10 Prozent der biogenen Brennstoffe kommen im öffentlichen und privaten Dienstleistungssektor zum Einsatz, vergleichsweise geringe 4 Prozent in der Landwirtschaft.

Flächendiagramm Entwicklung Bruttoinlandsverbrauch Energie 1970 bis 2017 und Potenziale bis 2030
Entwicklung Bruttoinlandsverbrauch Energie 1970 bis 2017 und Potenziale bis 2030

Rohstoffe
Lange Zeit dominierte die Verwendung von Brennholz den Biomassemarkt. Erst in den vergangenen Jahren rückte die Nutzung von biogenen Brenn- und Treibstoffen (z. B. Hackgut, Sägenebenprodukte, Pellets, Biotreibstoffe und Biogas) in den Vordergrund und gewann aufgrund des starken Marktwachstums immer mehr an Bedeutung. Der Einsatz von Brennholz ist aber weiterhin relativ stabil geblieben. Der Wald ist die bedeutendste Rohstoffquelle für den Biomassesektor. Im Jahr 2017 basierten fast 83 Prozent der in Österreich eingesetzten Biomasse auf Holz. Der Rest kam aus der Landwirtschaft und dem Abfallsektor, wobei Biotreibstoffe einen Anteil von 10 Prozent aufwiesen, gefolgt von sonstigen biogenen festen Brennstoffen mit 3,4 Prozent, Biogas, Klärgas und Deponiegas mit 2,1 Prozent, biogenen Abfällen mit 1,9 Prozent sowie Holzkohle mit 0,2 Prozent.

Flächendiagramm und Balkendiagramm Entwicklung Bruttoinlandsverbrauch Bioenergie 1970 bis 2016 und Ressourcenpotenziale für 2030 und 2050
Entwicklung Bruttoinlandsverbrauch Bioenergie 1970 bis 2016 und Ressourcenpotenziale für 2030 und 2050

Ausbaupotenziale
Eine Potenzialabschätzung des Österreichischen Biomasse-Verbandes geht bis 2030 von einem realisierbaren Bioenergiepotenzial von 340 PJ aus; bis 2050 wäre ein Bioenergieeinsatz von etwa 450 PJ möglich. Bis 2030 könnte der Bruttoinlandsverbrauch von Bioenergie um mehr als 110 PJ ausgebaut werden. Etwas mehr als die Hälfte des Ausbaupotenzials stammt aus der Forstwirtschaft. Der Rest erschließt sich aus Landwirtschaft und Abfallwirtschaft. 8 % könnten durch Kurzumtriebsflächen bereitgestellt werden. Mit einem Anteil von 18 % am Ausbaupotenzial könnte Biogas seinen energetischen Einsatz gegenüber 2017 etwa verdreifachen.  Voraussichtlich wird auch im Jahr 2030 der Wärmemarkt mit über 77 Prozent Anteil der dominierende Bioenergiemarkt sein.

Aktuell wird der Ausbau der Bioenergie nicht durch die Verfügbarkeit von Biomasse, sondern durch die Aufnahmefähigkeit der Märkte (Raumwärme, Verkehr, Strom, Fernwärme, …) begrenzt. Dieses Bild wird auch durch mehrere in Österreich zur Verfügung stehende Studien zur Energiewende bestätigt. 

Die vorliegenden Konzepte sind von einer starken Reduktion des Energieverbrauchs gekennzeichnet, wodurch sich die Marktanteile der Bioenergie auch ohne signifikante Mengensteigerung massiv erhöhen. In praktisch allen vorliegenden Energiewendeszenarien entwickelt sich die Biomasse bundesweit zum bedeutendsten Energieträger und überholt damit bereits mittelfristig Erdöl und Erdgas.

Im Bereich Rohstoffe gilt es, die Bereitstellung von Biomasse für die energetische Nutzung auszubauen und zu professionalisieren. Dazu müssen einerseits mehr finanzielle Mittel für Forschung und Entwicklung sowie für die Umsetzung von Pilot- und Demonstrationsprojekten bereitgestellt werden, andererseits müssen gezielte Investitionsförderprogramme und spezifische Flächenförderprogramme – speziell für die Forcierung von alternativen Energiepflanzen – klare Anreize für die Produktion und Bereitstellung von zusätzlicher Biomasse schaffen.

Tortendiagramm Ausbaupotenzial Bioenergie von 2017 bis 2030
Ausbaupotenzial Bioenergie von 2017 bis 2030

Holz
Der Wald ist und bleibt die bedeutendste Rohstoffquelle für den Biomassesektor. Österreich verfügt derzeit über historisch hohe Holzvorräte; seit 1970 ist das Holzvolumen in Österreichs Wäldern um über 40 Prozent angewachsen. Es wird noch immer weniger Holz genutzt als zuwächst. Insgesamt wurden in Österreich 2017 rund 25,3 Millionen Festmeter Holz in Haushalten, Gewerbebetrieben und in der Holz verarbeitenden Industrie (Sägewerke, Platten-, Papier- und Zellstoffindustrie) energetisch genutzt. Bis 2030 könnte der Energieholzeinsatz um etwa 23 Prozent bzw. rund 5,7 Millionen Festmeter auf knapp 31 Millionen Festmeter erhöht werden. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn der Holzeinsatz in Österreich in der stofflichen und energetischen Verwertung deutlich erhöht wird und rasch umfassende Maßnahmen zur Mobilisierung der Potenziale, vor allem im bäuerlichen Kleinwald, gesetzt werden. Dazu wird Folgendes unterstellt:

  • Der Holzeinschlag gemäß Holzeinschlagsmeldung erhöht sich von 19,6 Millionen Festmeter (Erntefestmeter inkl. Rinde) auf 29 Millionen Festmeter im Jahr 2030.
  • Der Holzimport bleibt in etwa konstant, die Exporte von Pellets werden reduziert.
  • Das sonstige Holzaufkommen (von Holzeinschlagsmeldung nicht erfasste Mengen), von Flurgehölzen, Strauch-schnitt, Altholz etc. erhöht sich von 7,7 auf 9 Millionen Festmeter im Jahr 2030.
Flussdiagramm Holznutzung in Österreich im Jahr 2016
Holznutzung in Österreich im Jahr 2016

Wald liefert Vielzahl an Sortimenten
In einem erntereifen Waldbestand fallen bei der Holzernte gleichzeitig für alle Verwertungsbereiche Baumteile an. Das wertvollste Holz bilden die stärksten, möglichst geraden und astfreien unteren Stammteile, die als Sägerundholz oder sogar als Furnierholz oder Fassholz die besten Preise am Holzmarkt erzielen. Aus den dünneren und qualitativ ungünstigeren Stammteilen wird einerseits Industrieholz für die Papier- und Zellstoff sowie die Plattenindustrie und andererseits Energieholz (Scheitholz oder Hackgut) erzeugt. Starke Äste, sehr krumme oder von Sturm oder Käfern beschädigte Baumteile werden in erster Linie zu Energieholz verarbeitet. An einem Waldort fallen während der Waldpflege und auch bei der Ernte des reifen Bestandes im Zuge einer optimalen Verwertung neben den Sortimenten für die Holz verarbeitende Industrie erhebliche Mengen an Scheitholz und Hackgut an. Die Waldbesitzer teilen sie die anfallenden Holzmengen nach den Grundsätzen der Marktwirtschaft in Sortimente (Sägerundholz, Industrieholz, Energieholz) ein. Dabei. Etwa 80 Prozent der in Österreich eingesetzten Frischholzmenge werden industriell verwertet. Die übrigen 20 Prozent dienen als regionaler Brennstoff in Österreichs Haushalten.

Markt regelt Verwertungspfade
An jedem Punkt der Wertschöpfungskette – sowohl bei der Holzbereitstellung durch den Waldbesitzer als auch bei der Holzverarbeitung in Gewerbe und Industrie – sorgt die betriebswirtschaftliche Optimierung nach den Regeln des Marktes dafür, dass die Haupt-, Koppel- und Nebenprodukte den jeweils besten Verwertungspfad einschlagen. Gesetzliche Vorgaben zur Rohstofflenkung würden zum Marktversagen führen und wären daher für alle Teilnehmer am komplexen Holzmarkt kontraproduktiv. Immer wieder geführte Diskussion um die stoffliche „oder“ energetische Nutzung von (biogenen) Rohstoffen geht am Kern der Sache vorbei. Die Lösungsansätze liegen nicht im „Entweder-oder“, sondern im „Sowohl-als-auch“. Fast die gesamte auf den Markt gebrachte Holzmenge wird nach dem Marktdurchlauf früher oder später energetisch verwertet. Überspitzt könnte man formulieren: „Alle Wege der Wertschöpfungskette Holz führen in den Ofen.“ Das Ziel sollte sein, eine möglichst große Holzmenge unter Wahrung der Nachhaltigkeitsprinzipien dem Markt zuzuführen und einen möglichst intelligenten Marktdurchlauf mit höchster Wertschöpfung und Energieeffizienz zu gestalten.

Nachhaltigkeit von Biomasse
Die EU-Kommission befasst sich seit einiger Zeit mit Arbeiten zu Nachhaltigkeitskriterien für feste Biomasse und Biogas, aus denen Wärme, Kälte, Strom oder Treibstoffe erzeugt werden. Es wird über die Einführung verpflichtender Nachhaltigkeitskriterien nachgedacht, was vor allem waldreiche EU-Mitgliedsstaaten, darunter Schweden, Finnland und Österreich, ablehnen. Auch der Österreichische Biomasse-Verband spricht sich klar gegen die Einführung von zusätzlichen Nachhaltigkeitskriterien für feste Biomasse und Biogas im Rahmen eines harmonisierten europäischen Nachhaltigkeits-Rahmenwerks aus, denn die Nachhaltigkeit der Biomasseproduktion in der EU wird für die Forstwirtschaft über die nationalen Forstgesetze und für die Landwirtschaft über Vorgaben zur Cross Compliance ausreichend sichergestellt. Darüber hinaus besteht mit PEFC ein praxistaugliches Zertifizierungssystem für die nachhaltige Holz- und Biomasseproduktion. Neue Nachhaltigkeitssysteme und Zertifikate würden daher nur zusätzlichen Bürokratie- und Kostenaufwand bedeuten. Das Hauptaugenmerk muss vielmehr darauf gerichtet werden, den Import von nicht nachhaltig produzierter Biomasse aus Drittstaaten zu unterbinden bzw. nicht für die EU-Zielerreichung bei erneuerbaren Energi en anzurechnen.

Publikationen zum Thema:


Volkswirtschaftliche Bedeutung der Bioenergie

Der verstärkte Einsatz von Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energie erhöht nicht nur den nationalen Selbstversorgungsgrad mit Energie, sondern bringt auch eine Umstrukturierung der heimischen Wirtschaft in Richtung eines zukunftsfähigen Wirtschaftssystems mit sich. Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energie haben in Österreich in vielen Bereichen eine lange Tradition, aus der Marktführerschaften, Patente und Forschungskompetenzen hervorgegangen sind. Dieser Hintergrund eröffnet den heimischen Unternehmen auch große Chancen auf den Exportmärkten und bringt dem Staat eine hohe inländische Wertschöpfung. Den größten Beitrag zum Gesamtumsatz erbringt unter den erneuerbaren Energien der Sektor der festen Biomasse mit 34 Prozent. Er erzielte 2017 einen Gesamtumsatz aus Investitionen und Energiebereitstellung von fast 2,5 Milliarden Euro. Die Bereitstellung der festen biogenen Brennstoffe ist auch jener Bereich, der mit 1,6 Milliarden Euro die größten absoluten Betriebseffekte aller betrachteten Technologien erbringt. Im Bereich Investitionseffekte in Erneuerbare-Energien-Technologien sind etwa 15.000 Beschäftigte und im Bereich der Energiebereitstellung rund 27.500 Beschäftigte zu verzeichnen. Der größte Teil der Beschäftigungseffekte ergibt sich aus der Bereitstellung der Brennstoffe (Stückgut, Hackgut und Holzpellets). Insgesamt sind 57 Prozent der Arbeitsplätze der Branche Erneuerbare Energie im Bereich der Biomassenutzung angesiedelt.

Balkendiagramm Primäre Umsätze aus Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien 2017
Primäre Umsätze aus Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien 2017

Wertschöpfung mit Heizkesseln und Öfen
2017 wurden in Österreich 5.118 Pelletskessel, 2.750 Stückholzkessel, 775 Stückholz-/Pellets-Kombikessel sowie 2.312 Hackgutkessel verkauft. Dazu wurden 1.672 Pelletsöfen, 6.677 Herde und 7.235 Kaminöfen heimischer Hersteller abgesetzt. Österreichische Kesselhersteller vertreiben 80 % ihrer Produktion im Ausland. Wichtigste Exportländer sind Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Zwei von drei installierten Biomassekesseln in Deutschland kommen aus Österreich.

Balkendiagramm Primäre Beschäftigung aus Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energie 2017
Primäre Beschäftigung aus Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energie 2017

Chancen für die österreichische Wirtschaft
Das beträchtliche Entwicklungspotenzial im Bioenergiesektor schafft Chancen für Einkommen und „Green Jobs“ in der Land- und Forstwirtschaft, in der Holz verarbeitenden Wirtschaft, in der Energiewirtschaft und im Brennstoffhandel, bei der Produktion von Maschinen und Geräten, im Anlagenbau, aber auch in Forschung und Entwicklung, Schulung, Beratung und Weiterbildung. Gelungene Geschäftsmodelle und Erfolgsgeschichten im Inland sind die Basis für den Export von Maschinen zur Ernte von Biomassen und zur Erzeugung von Biobrennstoffen sowie von Anlagen zur effizienten Nutzung von Biomasse zur Wärme-, Strom- und Treibstoffproduktion.

Publikationen zum Thema: