Niederösterreich auf dem Weg zu 1.000 Biomasseheizwerken

Kesseltausch-Förderung wieder aufgenommen Weiter Europ. Renewable Heating & Cooling Conference

Zwei Drittel der Fernwärme aus Reststoffen der Forst- und Holzwirtschaft

15.10.2026
Das Pelletswerk in Göpfritz an der Wild wurde 2023 direkt neben dem Holzkraftwerk (links im Bild) errichtet, von dem es Strom und Abwärme zur Spänetrocknung bezieht.

(PA-ÖBMV)

  • Erzeugung erneuerbarer Energien in 20 Jahren verdoppelt 
  • 100 % Ökostrom dank Ausbau von Windkraft und Photovoltaik
  • Hoher Erdölverbrauch durch Ölraffinerie und wachsenden Flugverkehr

Durch den Ausbau regionaler Biomasseheizwerke und Holzkraftwerke hat sich die Erzeugung biogener Fernwärme in Niederösterreich seit 2005 mehr als verfünffacht, informiert der Österreichische Biomasse-Verband anlässlich seines Energiewende-Checks der Bundesländer. Über ein flächendeckendes Netz mit etwa 1.360 km Trassenlänge versorgen 837 Biomasse-Nahwärmeanlagen und fast 40 Biomasse-Kraftwärmekopplungsanlagen mehr als 47.800 Anschlüsse und daraus 150.000 Haushalte mit Wärme aus Biomasse. Die Wärme wird laut dem Land NÖ durch den Einsatz von 4,5 Mio. Schüttraummetern (srm) Waldhackgut, 1,3 Mio. srm Sägespäne und Sägehackgut sowie 6.500 Tonnen Stroh bereitgestellt. Diese Brennstoffmenge entspricht rund 18.620 Tanklastzügen Heizöl. Der Betrieb der Anlagen kreiert jährlich rund 120 Mio. € Wertschöpfung in NÖ. Bis 2030 möchte das Land NÖ 1.000 Biomasseanlagen in Betrieb haben. Im Frühjahr 2026 wurden sieben weitere neue Biomasse-Nahwärmeprojekte in Gänserndorf, Karlstetten, Melk, Schwarzau am Steinfeld, Traisen, Petzenkirchen und Waldenstein zur Erzeugung von jährlich 122 MWh erneuerbarer Wärme für fast 300 Abnehmer auf den Weg gebracht. Etwa zwei Drittel der Fernwärme in NÖ stammen aus Biomasseanlagen, der Rest basiert vor allem auf Erdgas (18 %) und Erdöl (14 %). Durch den stark gestiegenen Einsatz von Waldhackgut und Sägenebenprodukten hat sich Bioenergie mit einem Anteil von 47 % zum wichtigsten erneuerbaren Energieträger in NÖ entwickelt.

Hitzeextreme, Dürreschäden, Waldbrände und Borkenkäfer

Biomasseheizwerke und Holzkraftwerke sind wichtige Abnehmer für die gewaltigen Schadholzmengen, die in NÖ seit 2015 aufgrund der Borkenkäfermassenvermehrung angefallen sind. Die Käferholzmengen erreichten 2018 ein Allzeithoch von 3,3 Mio. Vorratsfestmetern (Vfm). Der Schadholzanteil am NÖ Holzeinschlag belief sich in den Jahren 2018 und 2019 auf etwa 60 %. 2025 ging der Schadanteil auf 23 %, den niedrigsten Wert seit 2014, zurück. Neben 342.000 Vfm Käferholz waren Sturmschäden von 761.000 Vfm hinzunehmen. 2024 war bei einer Abweichung von +3,2°C zum langjährigen Mittel bislang das mit Abstand wärmste Jahr in Niederösterreichs Messgeschichte. Im Rekordsommer 2026 steigerte sich die Hitze noch: Am 5. August 2026 wurde in Bad Deutsch-Altenburg mit 41,2 °C ein österreichischer Hitzerekord aufgestellt. Durch längere und häufigere Trockenphasen steigt die Gefahr von Waldbränden. Bislang wurden heuer 87 Waldbrände in NÖ vermeldet, etwa doppelt so viele wie in den Jahren zuvor. In der NÖ Landwirtschaft verursachte die extreme Dürre im heurigen Jahr Schäden von 400 Mio. €. Massive Ernteausfälle gab es besonders bei Grünland, Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Kürbissen und Soja.

Holzenergie hat Erdgas in der Raumwärme überholt

Holzbrennstoffe haben Erdgas als wichtigste Raumwärmequelle der NÖ Haushalte abgelöst. Der Einsatz von Holzbrennstoffen hat sich seit 2003/04 um etwa 20 % erhöht, wobei sich der Pelletsverbrauch in dieser Zeit fast verzehnfacht hat. Dennoch handelt es sich bei über 80 % der in NÖ Haushalten eingesetzten Holzbrennstoffe um Scheitholz. 188.000 Haushalte in NÖ verwenden eine Holzheizung als primäres Heizsystem. 2025 wurden knapp 6.000 neue Holzzentralheizungen in NÖ installiert, das war der dritthöchste Wert in der Historie. Die neu eingebauten Holzheizungen verteilten sich auf 64 % Pelletskessel, 17 % Stückholz-Pellets-Kombikessel, 10 % Stückholzkessel und 9 % Hackgutheizungen. Holzheizungen decken gut 40 % des Raumwärmebedarfs der Haushalte, die biogene Fernwärme weitere 5 %. Mehr als in Haushalten (35 %) wird Fernwärme in NÖ mit einem Anteil von 37 % in Dienstleistungsgebäuden, wie Hotels, Krankenhäuser, Einkaufs- oder Handelsgebäude, genutzt; auch die Industrie bezieht einen hohen Anteil (28 %).

Langsamer Rückgang bei Öl- und Gasheizungen

Holzheizungen liegen in NÖ nur knapp vor Gasheizungen, deren Anzahl von zuletzt 178.000 Kesseln auch aufgrund des dicht ausgebauten Gasnetzes nur langsam abnimmt. Bei in den letzten fünf Jahren weitgehend gleichbleibendem Verbrauch deckt Erdgas noch 24 % des Raumwärmebedarfs in NÖ. Die Anzahl von Ölkesseln ging in den letzten 20 Jahren von 136.000 auf 60.000 Geräte zurück. Parallel dazu war der Heizöleinsatz um 41 % rückläufig, womit Heizöl noch 11 % zum Raumwärmeverbrauch beiträgt. Zusammen mit Stromdirektheizungen erreichen fossile Energieträger einen Anteil von immer noch 44 % am Raumwärmeeinsatz der Haushalte.

Hohe Energiepreise führen zum Brennstoffwechsel

Die Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor sind seit 1990 um fast die Hälfte (–49 %) gesunken. Dies ist bedingt durch die milde Witterung, die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energieträger und die anhaltend hohen Energiepreise. Vor allem letztere veranlassen private Haushalte zu einem Switch der Energieträger. Obwohl ihr Energieverbrauch für Raumklima und Warmwasser zwischen 2020 und 2024 insgesamt um 11 % angestiegen ist, nutzten die Haushalte in dieser Zeit 13 % weniger Erdgas und 43 % weniger Heizöl. Im Gegenzug setzten sie um 28 % mehr Scheitholz und um 43 % mehr Pellets ein. Laut dem im Oktober 2025 adaptierten NÖ Klima- und Energiefahrplan sollen die rund 240.000 fossil betriebenen Heizkessel in NÖ bis 2040 stufenweise weitgehend auf erneuerbare Heizungen umgestellt werden. Eine langfristige Förderung „Raus aus Öl und Gas“ im Rahmen der Wohnbauförderung NÖ soll dabei sichergestellt werden.

100 % Ökostrom
dank Windkraft und Photovoltaik – neue Rechenzentren-Strategie

Die Biomasse-KWK-Anlagen in Niederösterreich haben 2024 etwa 413 GWh Strom ins Netz eingespeist und 2,4 % zur Stromproduktion beigetragen. Gegenüber ihrem Peak von 2016 ist die Stromerzeugung der Holzkraftwerke aufgrund unzureichender Förderungen und gestiegener Produktionskosten um 38 % zurückgegangen. Etwa 85 Biogasanlagen stellen 1,3 % der NÖ Stromproduktion bereit. NÖ erzielte 2024 zum zweiten Mal nach 2023 einen Anteil von 100 % Erneuerbaren in der Elektrizitätserzeugung, bei Berechnung nach der EU-Erneuerbaren-Richtlinie. Ausschlaggebend war vor allem der deutliche Ausbau von Windkraft und Photovoltaik. Die Stromerzeugung aus Windkraft hat sich in den letzten zehn Jahren verdreifacht und erzielte 2024 einen Rekordwert von 5,4 TWh – 2025 ging sie auf 4,8 TWh zurück. Ende 2025 waren in NÖ 830 Windkraftanlagen mit 2.324 MW installiert, mehr als die Hälfte aller Anlagen der Republik (1.447). Noch dynamischer verlief die Entwicklung bei der Photovoltaik: Hier verzehnfachte sich der Stromertrag bis 2024 gegenüber 2014 auf 2,1 TWh, gefolgt von einer Steigerung auf rund 2,5 TWh im Jahr 2025. Vor der Windkraft (31 %) und der Photovoltaik (12 %) war 2024 die vor allem entlang der Donau produzierte Wasserkraft mit 44 % Anteil wichtigster Stromerzeuger. Aufgrund der niedrigen Wasserführung der Fließgewässer gingen die Erträge der Wasserkraft im Jahr 2025 um fast 26 % zurück. Extremes Niederwasser der Donau sorgte heuer für weitere Rückgänge. 2030 sollen in Niederösterreich laut NÖ Klima- und Energiefahrplan 8 TWh Windkraft und 4,5 TWh Solarstrom erzeugt werden. Um die Entstehung energieintensiver Rechenzentren zu steuern, hat das Land NÖ 2026 aufgrund laufender Anfragen eine eigene Rechenzentren-Strategie entwickelt. Rechenzentren sollen demnach dort entstehen, wo ausreichend Energie verfügbar ist, die Abwärme sinnvoll genutzt werden kann und starke Netze vorhanden sind.

Höchste Erzeugung Erneuerbarer und höchster Erdölverbrauch in Österreich

Die Erzeugung erneuerbarer Energien in NÖ hat sich in den letzten 20 Jahren etwa verdoppelt. Mit mehr als 33 TWh produzierte NÖ 2024 die größte Menge erneuerbarer Energien unter allen Bundesländern. Mit einem Anteil von 54 % am Bruttoinlandsverbrauch Energie ist jedoch Erdöl wichtigster Energieträger in NÖ. Das Bundesland veranschlagt fast 42 % des gesamten Erdölverbrauchs von Österreich. Verantwortlich dafür ist neben dem hohen stofflichen und energetischen Einsatz in der Erdölraffinerie Schwechat die Verwendung im Straßen- und Flugverkehr. Fast der gesamte Energieverbrauch des heimischen Flugverkehrs geht auf das Konto Niederösterreichs. Im Vorjahr wurden mehr als 1 Mio. Tonnen Kerosin in Österreich getankt – mehr als je zuvor. Auf den Flugverkehr entfallen 34 % des NÖ Endenergieverbrauchs an Erdöl, auf den Straßenverkehr 55 %. Die Nutzung von Öl zum Beheizen von Haushalten (4,0 %) und für landwirtschaftliche Maschinen (3,2 %) bleibt weit dahinter zurück. Bei gestiegenem Erdölverbrauch hat sich der Anteil des in NÖ gewonnenen Rohöls in den letzten zehn Jahren auf 10 % etwa halbiert.

Erdgaseinsatz rückläufig – neue Gasförderung in Wittau im Mai gestartet

Erdgas deckt in Niederösterreich 15 % des Energieverbrauchs, sein Einsatz hat seit 2021 um etwa ein Viertel abgenommen. In den letzten zehn Jahren ist die Erdgasgewinnung in NÖ um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Durch den Beginn der Erdgasförderung in Wittau im Mai 2026, mit 48 TWh dem größten Erdgasfund in Österreich seit 40 Jahren, soll der Eigenanteil wieder deutlich gesteigert werden. In der ersten Erschließungsphase ist die Förderung von 11 TWh über zehn Jahre geplant. Erdgas findet in NÖ vor allem in der Industrie (Nahrungsmittel-, [Petro-]Chemie- und Papierindustrie) sowie bei Haushalten Verwendung, aber auch bei der Strom- und Fernwärmeproduktion. Die Ölraffinerie in Schwechat emittiert allein etwa 17 % aller NÖ Treibhausgase, insgesamt verursacht der Sektor Energie rund 22 % der Emissionen. Seit 1990 haben sich die Emissionen im Energiesektor aufgrund der Stilllegung des Kohlekraftwerks Dürnrohr und der rückläufigen Erdöl- und Erdgasförderung um 52 % reduziert. Durch die neue Erdgasförderung nahe Wiens könnten die Treibhausgasemissionen wieder ansteigen.

Straßenverkehr verursacht etwa 30 % der NÖ Treibhausgasemissionen

Der Verkehr verursachte im Jahr 2024 rund 30 % der NÖ Treibhausgasemissionen, die Industrie 18 %, die Landwirtschaft 15 % und Gebäude rund 9 %. Der Verkehrssektor verbucht unter diesen Sektoren mit 46 % den größten Zuwachs seit 1990. 98 % der Treibhausgasemissionen der Mobilität entfallen auf den Straßenverkehr (63 % Personen- und 35 % Güterverkehr), die hohen Emissionen grenzüberschreitender Flüge werden nicht auf die nationale Bilanz angerechnet. Da im Flächenbundesland Niederösterreich viele Bürger auf das Auto angewiesen sind, ist sowohl die Kfz- als auch die Pkw-Dichte die zweithöchste (hinter dem Burgenland) in Österreich. Auf 100 Einwohner kommen 98 Kraftfahrzeuge, davon 68 Pkw. In NÖ sind 1.168.417 Pkw zugelassen; bis 2030 soll jeder fünfte davon elektrisch unterwegs sein. Mitte 2026 lag die Quote reiner Elektroautos am Fahrzeugbestand mit 61.000 Pkw bei 5,2 %. Ihr Anteil unter den Neuzulassungen überschritt im September 2026 mit 2.007 E-Pkw bereits 35 %.

Niederösterreich reduziert Treibhausgase außerhalb Emissionshandel um 25 %

Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch soll laut NÖ Klima- und Energiefahrplan bis 2030 von 44 % auf 55 % gesteigert werden. Bis 2050 sollen die Treibhausgasemissionen gegen null zurückgehen, beim Energieverbrauch wird nur ein leichter Rückgang erwartet. Effizienzgewinnen in Gebäuden und in der Mobilität stehen eine Zunahme des Flugverkehrs sowie das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum gegenüber. Zur Erreichung des österreichweiten Ziels, die Treibhausgasemissionen in den Sektoren außerhalb des Emissionshandels bis 2030 um 48 % gegenüber 2005 zu reduzieren, möchte das Land Niederösterreich einen wesentlichen Beitrag leisten, eine konkrete Zielvorgabe für diese Reduktion fehlt jedoch im adaptierten NÖ Klima- und Energiefahrplan. Bislang bewegt sich Niederösterreich mit einer Reduktion des Treibhausgasausstoßes um 25 % in den Sektoren außerhalb des ETS im Gleichschritt mit dem Bund. Für schwer vermeidbare Treibhausgasemissionen fordert das Land NÖ auf Bundesebene die Schaffung von Rahmenbedingungen für die technische CO2-Speicherung, wie die Aufhebung des CO2-Speicherverbots und eine CO2-Transportinfrastruktur.

Abb. 1 (li.): Die biogene Fernwärmeerzeugung in Niederösterreich hat sich verfünffacht.
Abb. 2 (re.): Durch den Ausbau von Windkraft und PV wurden 2024 laut EU-Richtlinie in Niederösterreich 100 % Ökostrom erzeugt; auch Holzkraftwerke und Biogasanlagen trugen dazu bei. 
Abb. 3 (li.): Holzzentralheizungen decken 40 % des Raumwärmebedarfs der niederösterreichischen Haushalte, die biogene Fernwärme weitere 5 % – Heizöl und Erdgas gehen langsam zurück. 
Abb.4 (re.): 188.000 Haushalte heizen mit einer Holzheizung als primärem Heizsystem, die Anteile von Fernwärme und Wärmepumpen sind in den letzten Jahren stark gestiegen. 
Abb. 5 (li.): Die Erzeugung erneuerbarer Energien erreichte 2024 einen Rekordwert, der Anstieg des gesamten Energieverbrauchs seit der Pandemie beruht auf der Zunahme des Flugverkehrs.  
Abb. 6 (re.): Verkehr, Energie und Industrie sind die größten Emissionsquellen in Niederösterreich, in Gebäuden war der Treibhausgasausstoß seit 1990 um die Hälfte rückgängig. 

Rückfragehinweis:
Peter Liptay
Tel.: 0664/308 2603
Email: liptay@biomasseverband.at

 

Das Pelletswerk in Göpfritz an der Wild wurde 2023 direkt neben dem Holzkraftwerk (links im Bild) errichtet, von dem es Strom und Abwärme zur Spänetrocknung bezieht.

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