Holzheizungen sind Oberösterreichs wichtigste Raumwärmequelle

Niederösterreich auf dem Weg zu 1.000 Biomasseheizwerken Weiter

Im Land der Biomasse steigt Bioenergieeinsatz 2025 auf Rekordhoch

06.11.2026
Aus Hackgut (im Bild Nahwärme Antiesenhofen) werden über 40 % der oö. Fernwärme erzeugt.

(PA-ÖBMV)

  • Adieu Öl: Oberösterreich will alle Ölheizungen bis 2035 austauschen
  • Dramatischer Einbruch der Wasserkraft nur teilweise durch PV kompensiert
  • Industrie verursacht 60 % der Treibhausgasemissionen, Elektrifizierung läuft an

Der Einsatz von Bioenergie in Oberösterreich ist 2025 gegenüber dem Vorjahr um etwa 8 % auf einen Rekordwert von 55 Petajoule (ca. 15,3 TWh) gestiegen, ist der brandneuen Energiebilanz der Statistik Austria zu entnehmen. Dieser Anstieg liegt unter anderem an der gegenüber dem bisherigen Rekordhitzejahr 2024 um 14 % gestiegenen Heizgradtagzahl im weniger heißen Jahr 2025 und am Ersatz fossiler Heizkessel durch Holzheizungen und biogene Fernwärme. Mit einem Anteil von 56 % ist Bioenergie der wichtigste erneuerbare Energieträger des Bundeslandes. Die bedeutendsten biogenen Sortimente sind mit einem Anteil von 32 % Nebenprodukte der Forst- und Holzwirtschaft, wie Hackgut oder Rinde, die ihren Einsatz in Biomasseheizwerken, Kraftwärmekopplungsanlagen und Sägewerken finden. Hinter Scheitholz (20 %) folgen Ablaugen der Papier- und Zellstoffindustrie mit einem Anteil von 19 %. Auch auf Biotreibstoffe und Pellets entfallen mit je rund 9 % bedeutende Beiträge. Dass der Anteil erneuerbarer Energieträger am Bruttoinlandsenergieverbrauch (BIV) 2025 von 33 % auf 30 % zurückgegangen ist, ist vor allem auf den Einbruch der Wasserkraft um 27 % im trockensten Jahr seit 65 Jahren zurückzuführen. Oberösterreichs bedeutendster Energieträger mit einem Anteil am BIV von 24 % ist Kohle aufgrund des hohen Verbrauchs in Hochöfen und Kokereien für die Eisenverhüttung. Dahinter folgen Erdgas (22 %) und Erdöl (19 %). 

Nutzung hoher Holzreserven als Baumaterial und Energieressource

Oberösterreichs Wälder verfügen mit durchschnittlich 360 Vorratsfestmetern pro Hektar (AT: 335 Vfm/ha) über einen der höchsten Hektarvorräte unter den Bundesländern. Laut Oö. Klima- und Energiestrategie kann eine Ausweitung der Holznutzung den aufgrund des Klimawandels notwendigen Waldumbau unterstützen. Mit der nachhaltigen Nutzung der enormen Holzreserven als Baumaterial und Energieressource möchte Oberösterreich einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Mit Förderprogrammen für Holzheizungen und der Nutzung regionaler Biomasse möchte sich das Bundesland gemäß der Oö. Klima- und Energiestrategie als Land der Biomasse positionieren. Für den Austausch fossiler Heizkessel gegen Pellets- oder Hackgutheizungen gewährt das Land einen Zuschuss von 2.900 €, für Scheitholzheizungen 1.700 €. Zusammen mit der neu aufgelegten Bundesförderung „Kesseltausch 2026“ ergibt dies derzeit z.B. knapp 9.000 € Förderung beim Umstieg von einer Öl- oder Gasheizung auf Pellets. Im Jahr 2025 wurden 5.869 moderne Holzheizungen in OÖ neu installiert.

Holzheizungen klare Nummer eins

Holz ist für die oö. Haushalte mit Abstand die wichtigste Raumwärmequelle. Etwa 35 % der Raumwärme werden aus Scheitholz-, Hackschnitzel- oder Pelletsheizungen gewonnen, etwa 112.000 Haushalte verwenden eine Holzfeuerung als Hauptheizsystem. Vor allem automatische Holzsysteme sind in OÖ sehr beliebt, etwa 30 % der seit 2001 bundesweit installierten Hackgutheizungen <100 kW (19.400 Stück) und 22 % der Pelletskessel (ca. 50.000 Stück) wurden im Land ob der Enns eingebaut. Oftmals sind die installierten Holzheizungen auch „Made in Upper Austria“, denn mehr als ein Drittel der österreichischen Hersteller von Biomasseheizungen, Holzhackern und anderen Technologien zur Biomasseaufbereitung sind in OÖ ansässig.

Fernwärme aus Biomasse fast verfünffacht

Hinter Holzheizungen folgt Fernwärme mit einem Anteil von 18 % an der oö. Raumwärmeversorgung an zweiter Stelle. Fast 224.000 Haushalte in OÖ sind an die Fernwärme angeschlossen. Die Fernwärmeerzeugung aus Biomasse hat sich seit 2005 fast verfünffacht. Der Anteil von Biomasse an der Fernwärmeproduktion liegt in OÖ bei knapp 47 %: Rund 500 Biomasseheizwerke tragen fast 30 % zur oö. Fernwärmeproduktion bei, etwa 25 Biomasse-KWK-Anlagen etwa 12 %. Dazu kommen gut 7 % aus biogenem Hausmüll. Zusammen decken Holzeinzelfeuerungen und biogene Fernwärme 43 % des oö. Raumwärmebedarfs. Rund 35 % der Fernwärme Oberösterreichs werden aus Erdgas erzeugt. In Linz stammt Fernwärme zu mehr als der Hälfte aus fossilen Gaskraftwerken.

Anzahl der Ölkessel um die Hälfte gesunken – Adieu Öl bis 2035

Der Heizölverbrauch der oberösterreichischen Haushalte ist in den letzten 20 Jahren um 47 % zurückgegangen, der Erdgasverbrauch um 40 %. Damit decken die beiden fossilen Energieträger jeweils knapp 14 % des Raumwärmebedarfs. Während die Zahl der Ölkessel seit 2003/04 um fast 100.000 auf etwa 64.000 Kessel gesunken ist, hat die Zahl der Gaskessel nur um 16.000 auf 93.000 Anlagen abgenommen. Bis 2035 will das Land Oberösterreich gemäß Oö. Klima- und Energiestrategie alle Ölheizungen auf erneuerbare Heizsysteme austauschen. Dazu soll die Kampagne „Adieu Öl“ beitragen, an der sich schon 63 Gemeinden beteiligen. Der Gebäudesektor konnte seine Emissionen seit 1990 durch Energieträgerwechsel zu erneuerbaren Heizformen und thermische Gebäudesanierung um 61 % vermindern. Diese Maßnahmen kompensierten die zunehmende Anzahl (+44 %) und Fläche (+68 %) der Wohnungen und auch den bis 2025 um mehr als ein Drittel gestiegenen Energieverbrauch im Gebäudesektor.

Dramatischer Einbruch der Wasserkraft

Nachdem die Stromproduktion in OÖ 2024 einen Rekordwert von knapp 17 TWh erreichte, erfolgte 2025 ein Rückgang auf 14,6 TWh. Grund war ein beispielloser Einbruch der Wasserkraft um 27 % von 10,4 TWh auf 7,6 TWh im extrem trockenen Jahr 2025. Der Ausbau der Photovoltaik um 1,2 TWh konnte die Verluste nur teilweise kompensieren, es musste mehr Strom aus Gaskraftwerken erzeugt oder importiert werden. 2026 hat sich die Lage weiter verschärft, bis Ende September ging die Wasserkraft in ganz Österreich nochmals um 18 % zurück, im langjährigen Vergleich fehlt ein halber Jahresniederschlag. Die Temperatur oö. Fließgewässer ist in den letzten 40 Jahren im Durchschnitt um etwa 2 °C gestiegen und könnte laut einer Studie bis 2050 um weitere 1,2 °C zunehmen. Eine Potenzialanalyse bescheinigt der Wasserkraft in OÖ ein Ausbau- und Steigerungspotenzial von knapp 0,5 TWh, wovon sich zwei Drittel durch Optimierung bestehender Anlagen an Traun, Ager, Alm, Enns und Donau ergeben. 2028 sollen der Ersatzneubau des Kraftwerks Traunfall mit 25 MW und das Pumpspeicherkraftwerk Ebensee mit geplanten 170 MW als „grüne Batterie für Oberösterreich“ in Betrieb gehen. 

Solarstrom hat sich seit 2015 verzwölffacht – Strom aus Biomasse konstant 

Die Stromerträge aus Photovoltaik haben sich in den letzten zehn Jahren mehr als verzwölffacht und 2025 mit 2,2 TWh fast 14 % des oö. Stromaufkommens ausgemacht. Bis 2030 sollen laut OÖ. Photovoltaik Strategie 3,5 TWh/a aus PV-Anlagen kommen und auf 200.000 Dächern Sonnenstrom erzeugt werden. Biomasse steuerte 2025 etwa 7,3 % zum oö. Stromaufkommen bei. Dabei hatten Laugen der Papier- und Zellstoffindustrie (3,0 %) und in Holzkraftwerken genutzte Holzreste (2,3 %) die größten Anteile, gefolgt von Klär- und Biogas (0,8 %) sowie biogenen Abfällen (0,7 %).

Kommt Bewegung in die Windkraft-Flaute?

Zwar wurde der erste österreichische Windpark 1996 im oö. Eberschwang errichtet; 29 Jahre später deckten 31 Windkraftanlagen mit einer Leistung von rund 50 MW aber nur 0,4 % des oö. Strombedarfs. Seit Veröffentlichung des Oö. Windkraft Masterplans 2017 wurde lediglich eine neue Windkraftanlage in OÖ errichtet. Derzeit befinden sich einige neue Windkraftprojekte in Planung, unter anderem 19 Anlagen in Sandl, 9 Anlagen im Sternwald und 9 (statt 18 zur Genehmigung eingereichte) Windräder im Kobernaußerwald.

Google Rechenzentrum erhöht Stromverbrauch um ein Drittel

Vor allem durch den Ausbau der Photovoltaik hat sich der Ökostromanteil in OÖ bis 2024 auf 80 % erhöht; im Folgejahr ging er wieder auf etwa 75 % zurück. Bis 2030 will das Land Oberösterreich durch massiven Ausbau der Photovoltaik und den möglichen Ausbau von Wind- und Wasserkraft eine Ökostromquote von mindestens 90 % erzielen. Das in Bau befindliche Google Rechenzentrum in Kronstorf wird bei einem vollständigen Ausbau auf 500 MW Anschlussleistung jährlich 4,4 TWh Strom benötigen, das ist mehr als der Stromverbrauch aller oberösterreichischen Haushalte von 3,7 TWh. Zusammen mit der Elektrifizierung der Industrie sowie der Zunahme von Elektromobilität und Wärmepumpen steht OÖ eine drastische Erhöhung des Strombedarfs bevor, dessen Deckung durch erneuerbare Energien eine gewaltige Zukunftsherausforderung darstellt.

30 % der heimischen Treibhausgasemissionen aus Oberösterreich

Mit 20,2 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten gehen rund 30 % der bundesweiten Treibhausgasemissionen auf das Konto Oberösterreichs. Für die hohen Emissionswerte ist die Schwerindustrie mit 59 % hauptverantwortlich. Aus dem Verkehr stammen 18 %, aus der Landwirtschaft 11 %, aus Gebäuden 4,1 % und aus dem Energiesektor 3,8 % der Treibhausgase. Insgesamt sind die Treibhausgasemissionen Oberösterreichs seit 1990 um 9 % gesunken. Die Emissionen der Industrie haben jedoch von 1990 bis 2024 um 13 % zugenommen, was vor allem auf den hohen Kohleeinsatz in der Eisen- und Stahlindustrie zurückzuführen ist. Künftig soll die Stahlproduktion deutlich grüner werden: Im September wurde am voestalpine Standort Linz ein Elektrolichtbogenofen angeliefert, der ab 2027 jährlich rund 1,6 Mio. Tonnen Stahl mit deutlich verringertem CO2-Ausstoß produzieren soll. Darüber hinaus entsteht in Linz eine Demonstrationsanlage, die durch Kombination wasserstoffbasierter Direktreduktion mit einem elektrischen Schmelzprozess eine weitgehend CO2-freie Eisen- und Stahlproduktion ermöglichen könnte.

Oberösterreich Spitzenreiter bei Neuzulassung von Elektroautos

Die Treibhausgasemissionen aus dem Verkehr haben sich in OÖ seit 1990 durch verstärkte Straßenverkehrsleistung und Tanktourismus um 49 % erhöht. In OÖ sind rund 1 Mio. Pkw zugelassen, hinsichtlich der Pkw-Dichte wird das Bundesland mit 66 Fahrzeugen pro 100 Einwohner nur vom Burgenland, Kärnten und Niederösterreich übertroffen. Noch ist der Anteil an Dieselfahrzeugen mit 31 % am Pkw-Bestand vergleichsweise hoch. Immerhin ist der Dieselverbrauch im oö. Straßenverkehr seit 2021 viermal in Folge zurückgegangen, insgesamt um 23 %. Mit einem Anteil von 6 % Elektroautos liegt OÖ über dem Bundesschnitt von 5,6 %. Im September 2026 war OÖ mit einem Rekordanteil von 42 % Elektroautos (1.971 Fahrzeuge) an den Pkw-Neuzulassungen Spitzenreiter unter allen Bundesländern. Der Verkauf des Klimatickets OÖ ist zwischen 2022 und 2025 um 54 % auf 42.522 Jahreskarten gestiegen. Diese könnten mit dem ab 2028 geplanten Bau der neuen Regional-Stadtbahn Linz noch attraktiver werden.

Klimaneutral bis 2040, negative Emissionen durch BECCS oder Pflanzenkohle notwendig 

Angesichts der Auswirkungen des Krieges in der Ukraine und im Bewusstsein, dass die Versorgungssicherheit mit fossilen Energieträgern wegen der Konzentration auf wenige Lieferländer krisenanfällig ist, hat sich das Bundesland 2023 in der Oö. Klima- und Energiestrategie das Ziel gesetzt, spätestens 2040 klimaneutral zu sein. Im über den EU-Emissionshandel reglementierten Industriebereich erwartet das Land Oberösterreich allerdings, dass Klimaneutralität erst nach 2040 erreicht werden kann. Zudem wird laut Klima- und Energiestrategie längerfristig die technologische CO2-Bindung durch Pflanzenkohle oder BECCS notwendig sein.

Abb. 1: Der Einsatz von Bioenergie in OÖ ist 2025 deutlich angestiegen, im Gegenzug gab es starke Rückgänge bei der Wasserkraft.
Abb. 2: Die Schwerindustrie in OÖ ist für rund 60 % der Treibhausgasemissionen verantwortlich, in Gebäuden sind die Emissionen seit 1990 um 61 % gesunken.
Abb. 3: Biomasse ist klare Nummer eins bei der Raumwärme in Oberösterreichs Haushalten, auch die Holzheizungen sind oft „made in Upper Austria“.
Abb. 4: Die Anzahl von Ölkesseln ist in den letzten 20 Jahren deutlich zurückgegangen, stark zugenommen haben Fernwärmeanschlüsse und Wärmepumpen. 
Abb. 5: Im Trockenjahr 2025 trug die Wasserkraft anstatt 63 % im Vorjahr nur mehr 48 % zum Stromaufkommen bei und musste durch Gaskraftwerke und Stromimporte ergänzt werden. 
Abb. 6: Die Fernwärmeerzeugung aus oberösterreichischen Biomasseheizwerken und Holzkraftwerken hat sich in den letzten 20 Jahren fast verfünffacht. 

Rückfragehinweis:
Peter Liptay
Tel.: 0664/308 2603
Email: liptay@biomasseverband.at

 

Bearbeitungsdatum:

Aus Hackgut (im Bild Nahwärme Antiesenhofen) werden über 40 % der oö. Fernwärme erzeugt.

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